EM-Titel nach Krebsdiagnose – Schreibt Gianluca Vialli das schönste EM-Märchen?
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EM-Titel nach KrebsdiagnoseSchreibt Gianluca Vialli das schönste EM-Märchen?

2018 erkrankte Gianluca Vialli an Krebs. Sein langjähriger Freund Roberto Mancini holte ihn daraufhin ins Team der italienischen Elft, die nun kurz vor dem EM-Titel steht.

Im November 2018 schockt Gianluca Vialli ganz Fußball-Italien. Der ehemalige Nationalspieler macht öffentlich, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist. Aus Schamgefühlen hatte er die Diagnose der in den meisten Fällen tödlichen Erkrankung lange geheim gehalten. Zu diesem Zeitpunkt gilt der frühere Stürmer nach einer mehrmonatigen Chemotherapie als gesund. Als sein ehemaliger Teamkollege Roberto Mancini vom schweren Schicksalsschlag Viallis erfährt, reagiert er sofort.

Mancini selbst hatte erst kurz zuvor die italienische Nationalmannschaft übernommen, die nach der verpassten Qualifikation für die WM 2018 am Boden liegt. Er holt seinen langjährigen Freund Vialli an Bord. Zunächst amtet Vialli als EM-Botschafter für Italien, im November 2019 wird er schließlich zum Delegationschef der Squadra Azzurra ernannt.

Italien startet Siegesserie

Beide bringen das angeschlagene Italien sofort wieder zurück auf die Erfolgsspur und starten eine beeindruckende Serie. Seit September 2018 haben die Azzurri kein Spiel mehr verloren. Zuletzt feierte man beim Sieg im EM-Halbfinale gegen Spanien den 15. Erfolg in Serie. Doch abseits des Platzes gibt es insbesondere für Gianluca Vialli unerfreuliche Nachrichten.

Der Krebs kehrt zurück. Vialli muss sich erneut einer mehrmonatigen Chemotherapie unterziehen. Im April 2020 ist es dann endlich geschafft. In einer italienischen Zeitung verrät der 57-Jährige, dass er nun endgültig krebsfrei sei. Eine Nachricht, die auch seinen guten Freund Roberto Mancini jubeln lässt.

Die beiden kennen sich seit ihrer Jugend. Gemeinsam besuchten sie die Sportschule Coverciano in der Nähe von Florenz. Später stürmten Mancini und Vialli Seite an Seite für Sampdoria Genua, «gemelli del gol», also Torzwillinge, lautete der Spitzname des Duos, das gemeinsam über 200 Tore in der Serie A erzielte.

Offene Rechnung mit Wembley

Anschließend machten beide als Trainer Karriere. Mancini wurde in Italien mit drei verschiedenen Clubs Cupsieger, holte mit Inter dreimal den Meistertitel. Auch in England (Manchester City) und der Türkei (Galatasaray) feierte er Erfolge und Titel. Vialli wechselte nach England, gewann dort mit dem FC Chelsea als Spielertrainer 1998 den Europapokal der Pokalsieger.

Etwas fehlt aber bis heute in den reichlich gefüllten Trophäenschränken von Mancini und Vialli: Ein Titel mit der Nationalmannschaft. Diese Lücke möchten sie am Sonntagabend im EM-Finale gegen England nun füllen. Doch ausgerechnet ans prestigeträchtige Wembley haben beide keine guten Erinnerungen. Im Finale des Europapokals der Landesmeister (heute Champions League) stürmten Mancini und Vialli mit Sampdoria Genua erfolglos gegen den FC Barcelona an. Nach 120 Minuten resultiert eine bittere 0:1-Pleite.

Die offene Rechnung mit dem Wembley wollen beide nun ausgerechnet gegen England begleichen. Dabei gehört Gianluca Vialli nach seiner überstandenen Leidenszeit schon vor Anpfiff des Finals zu den Siegern.

(L'essentiel/Lucas Werder)

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