Boykottankündigungen – Schüler stützen Lehrer und pochen auf Gespräche

Publiziert

BoykottankündigungenSchüler stützen Lehrer und pochen auf Gespräche

LUXEMBURG - Weil Lehrer in der Examenszeit nur noch für Unterricht bezahlt werden sollen, wollen sie streiken. Schüler rufen Lehrer und Regierung nun zum Einlenken auf.

Die Schüler wollen nicht unter den Sparmaßnahmen leiden. Foto: David Ebener/dpa

Die Schüler wollen nicht unter den Sparmaßnahmen leiden. Foto: David Ebener/dpa

Die luxemburgische Schülervertretung Conférence Nationale des Elèves du Luxembourg (CNEL) hat Verständnis für streikwillige Lehrer. Am Donnerstag hatte die Lehrergewerkschaft Féduse den Plan der Sekundarlehrer bekannt gegeben, aus Protest die Examenskommissionen zu boykottieren. Hintergrund ist eine Maßnahme der Regierung, nach der Sekundarlehrer während der achtwöchigen Examenszeit nur noch bezahlt werden, wenn sie unterrichten. Eine Neuerung, welche die Lehrergewerkschaft Féduse als Affront empfindet.

Gleich einen Tag später, am Freitag, hat sich die luxemburgische Schülervertretung Conférence Nationale des Elèves du Luxembourg (CNEL) zu Wort gemeldet und die streikwilligen Lehrer unterstützt. Man sei «sehr beunruhigt über die in den Medien kursierenden Gerüchte um einen möglichen Boykott» der Sekundarlehrer während der Examenszeit. Die CNEL könne die Lehrer verstehen und teile deren Unzufriedenheit darüber, nicht vorher über die Sparpläne informiert gewesen zu sein. Wenn sich Schüler mit Lehrern solidarisch erklären, muss die Situation ernst sein.

Appell an Lehrer und Regierung

Die Schüler appellieren aber auch an die Lehrer, keine «vorschnellen Entscheidungen» zu treffen. Bei allem Verständnis erinnern sie daran, dass es hier auch um sie geht. «Für die Schüler der Abschlussklassen sind die Examen eine sehr intensive Zeit, von dem ein Teil ihrer Zukunft abhängt», schreibt die CNEL in ihrer Mitteilung. Die Schüler für eine Entscheidung der Regierung zu bestrafen, wäre «falsch und ungerecht».

Die Schülervertretung bittet die Regierung, die Folgen der geplanten Einsparungen auf die Jugendlichen zu überdenken. «Eine zufriedenstellende Lösung kann aus Sicht der CNEL nur erreicht werden, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und im gemeinsamen Interesse diskutieren.»

Sparplan ja, Notfallplan nein

Die Schülervertretung macht sich aus gutem Grund Sorgen, denn einen Notfallplan für ein solches Boykott hat die Regierung nicht. Bildungsminister Claude Meisch (DP) appelliert daher lieber an das Gewissen der Lehrer: «Ich gehe davon aus, dass wir verantwortungsbewusste Lehrer haben, die sich nicht provozieren lassen und das auf den Rücken der Schüler austragen».

Dieser Streit ist nicht das erste Indiz dafür, dass die geplanten Sparmaßnahmen der Regierung längst das Bildungssystem erreicht haben und auch hier auf Widerstand treffen. Grundschullehrer sollen künftig länger in der Klasse stehen - doch auch dagegen wehrt sich die Lehrergewerkschaft. Den Schüler steht offenbar kein leichtes Schuljahr bevor.

(L'essentiel)

Deine Meinung