Wiederwahl 2020 – Schwiegertochter ist Trumps neue Geheimwaffe

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Wiederwahl 2020Schwiegertochter ist Trumps neue Geheimwaffe

Drei Jahre vor der nächsten US-Präsidentenwahl laufen erste Vorbereitungen für den zweiten Wahlkampf. Geleitet wird er von einer Newcomerin.

Die Ehefrau von Trumps Sohn Eric, Lara Trump, verhalf ihrem Schwiegervater Donald Trump zum Sieg in ihrem Heimatstaat North Carolina. Nun wird sie zur zentralen Figur in der Wahlkampagne zu Trumps Wiederwahl 2020.

Die Wahlkämpfer sammeln bereits Spenden, veranstalten erste Kundgebungen – und unterstützen Trumps Kampf gegen die Medien. «Diejenigen, die Donald Trump gewählt haben, wollen etwas hören über die Dinge, der er für das Land tut, und sie verdienen es, etwas darüber zu erfahren», sagte Lara Trump kürzlich in einem Interview. «Eine Aufgabe der Kampagne ist es, die Menschen zu informieren, damit sie nicht mehr ausschließlich auf die Mainstream-Medien angewiesen sind.»

Die auf Facebook, Twitter und YouTube veröffentlichten Videos der Kampagne sind zwar wie Nachrichtensendungen aufgemacht, transportieren aber Trumps Botschaften.

Dann rühmt sie die Bemühungen der Regierung, einen Klimaschutzplan namens Clean Power Plan zurückzunehmen, den sie als Übertreibung bezeichnet. Lara Trump beendet die Sendung mit den Worten «Und das sind die wahren Nachrichten». Auf Facebook wurde das Video innerhalb von weniger als 24 Stunden mehr als 1,5 Millionen Mal abgerufen.

«Diese Videos funktionieren gut und sind wirklich wichtig für uns», sagt Brad Parscale, Leiter von Trumps Digitalkampagne, der für den Wahlsieg des Unternehmers im vergangenen Jahr eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. «Lara hat eine großartige Persönlichkeit und viele Anhänger, und die Verbreitung der Botschaft des Präsidenten hilft uns dabei, unsere Kriegskasse mit Spenden aufzufüllen.»

Totale Kontrolle über Nachrichten

Gedreht werden die Filme in einem einfachen Studio in der Wahlkampfzentrale im 15. Stock des Trump Towers. Sie haben bereits genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen, um in der «Tonight Show» mit Komiker Jimmy Fallon parodiert zu werden. Vor der Kamera waren zwar auch schon einige andere Trump-Verbündete zu sehen, vor allem seit Lara im vergangenen Monat ihr erstes Kind zur Welt gebracht hat. Doch die Schwiegertochter des Präsidenten steht im Mittelpunkt, um die gelegentlich planlos wirkende Kommunikationsstrategie des Weißen Hauses abzurunden.

Bei den Zuschauern bestehe Nachfrage nach dem Angebot, sagt Lara Trump. «Es gibt niemandem im Fernsehen, der über die Erfolge des Präsidenten spricht, weil es immer andere Nachrichten gibt, auf die sich die Medien lieber konzentrieren.» Der Versuch, die traditionellen Medien zu umgehen, ist zwar nicht ungewöhnlich für einen US-Präsidenten, erklärt der Kommunikationsprofessor Tobe Berkovitz von der Boston University. Trump gehe dabei aber «erstaunlich unverhohlen» vor.

«Trump als moderner, mobiler Präsident baut seinen eigenen Kanal auf», sagt Berkovitz. «Das leuchtet ein. Er beschwert sich darüber, dass die Medien falsch interpretieren, falsch zitieren. Aber wer seinen eigenen Kanal hat, verfügt über die totale Kontrolle und kann behaupten, die authentische Nachrichtenquelle zu sein.»

«Lara glaubt an die Botschaft meines Vaters»

Die Leiterin des Kanals, Lara Trump, arbeitete als Produzentin bei dem TV-Boulevardmagazin «Inside Edition», als ihr Schwiegervater seine Präsidentschaftskandidatur bekannt gab. Nachdem sie die Kampagne zunächst nur am Rande unterstützt hatte, stürzte sie sich im August 2016 voll in den Wahlkampf. Damals begleitete sie den republikanischen Bewerber zu einer Kundgebung in ihrem Heimatstaat. Ihr Schwiegervater habe sich über Vorgänge in North Carolina geärgert und sie nach ihrer Meinung gefragt, erinnert sich Lara Trump, die seit 2014 mit Mann Eric verheiratet ist. «Ich habe ihm gesagt, was ich dachte. Und auf eine Art und Weise, wie es nur Donald Trump kann, sagte er: «Weißt Du was, ich möchte Dir die Verantwortung dafür übertragen, North Carolina zu gewinnen.»

Das Angebot habe sie begeistert und zugleich eingeschüchtert, sagt sie. Unter anderem organisierte sie eine Bustour unter dem Motto «Frauen für Trump» und trat der Einschätzung entgegen, ihr Schwiegervater sei frauenfeindlich. «Ich glaube, ich war noch nie so erleichtert wie in der Sekunde, als Donald Trumps Sieg in North Carolina bekanntgegeben wurde», sagt sie. «In dem Moment drehte sich mein Schwiegervater zu mir und sagte: Den Sieg haben wir Dir zu verdanken.»

Zu »Inside Edition« kehrte Trump anschließend nicht mehr zurück. Stattdessen arbeitet sie nun für Parscales Digitalunternehmen, das für die entstehende Wiederwahlkampagne zuständig ist. Ihre Rolle dabei dürfte künftig weiter wachsen. Unterstützung erhält sie von Mann Eric: «Lara glaubt aufrichtig an die Botschaft meines Vaters und kämpft leidenschaftlich gern für das amerikanische Volk.» Sie sei authentisch und einer der fleissigsten Menschen, die er kenne.

(L'essentiel/roy/ap)

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