Lyzeumsreform – Sechs Schüler folgen dem Demo-Aufruf

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LyzeumsreformSechs Schüler folgen dem Demo-Aufruf

LUXEMBURG – Zwei ADR-Mitglieder hatten «privat» zu einer Demo gegen die Lyzeumsreform eingeladen - ohne Erfolg. Offizielle Schülervertreter hatten zuvor zum Boykott aufgerufen.

Zu der Protestaktion kamen sechs Personen, darunter die zwei Organisatoren.

Zu der Protestaktion kamen sechs Personen, darunter die zwei Organisatoren.

L'essentiel/Chloé Murat

Mit 100 bis 200 Schülern hatten die beiden Organisatoren Dany Sobral und Timon Müllenheim bei der von ihnen initiierten Demonstration am Montagnachmittag auf dem Knuedler gerechnet. Gekommen sind sechs Personen, um ihren Unmut in Sachen Lyzeumsreform kundzutun.

Die beiden Jugendlichen hatten via Facebook zu der Demonstration aufgerufen. Mangelndes Interesse dürfte Luxemburgs Schülerschaft nun wohl kaum vorgeworfen werden. So protestierten Anfang November rund 400 Jugendliche vor dem Erziehungsministerium. Zu einer Infoveranstaltung mit Ministerin Mady Delvaux-Stehres kamen zwei Wochen später 1 200 Schüler.

Offizielle Schülervertreter distanzieren sich von der Initiative

Vielmehr dürfte gezählt haben, dass das Engagement von Sobral und Müllenheim nicht überall auf Gegenliebe stieß. Denn die beiden sind Mitglieder des Komitees von Adrenalin, der Jugendsektion der rechtspopulistischen Partei ADR.

Die Nationalkonferenz der Schüler in Luxemburg (CNEL) distanzierte sich am Sonntag von der Veranstaltung und bat Schüler, die Protestaktion zu boykottieren. «Wir wollen nicht, dass Jugendliche durch eine politische Agenda beeinflusst werden. Die Facebook-Gruppen, die zur Demo aufrufen, sehen nach ADR aus, aber letztlich sind die Organisatoren auf Facebook anonym und keine gewählten Vertreter wie die Schülerkomitees an den Lyzeen», sagte Magda Orlander, Repräsentantin der CNEL. Die Nationalkonferenz setzt sich aus jungen Menschen zusammen, die an den Lyzeen gewählt wurden. «Somit sind wir die offiziellen Repräsentanten der Schülerschaft», erklärte sie.

Organisatoren sprechen von «Privatinitiative»

Dany Sobral verwies vor der Veranstaltung darauf, dass es sich bei der Kundgebung um eine «Privatinitiative» handele. Die Kritik, dass er und Timon Müllenheim Adrenalin angehören, hielt er «für einen schwachen Vorwurf»: «Das ist doch irrelevant. Schließlich ist die Schulreform ideologisch nicht gedeckt und kann sowohl von links wie von rechts aufgegriffen werden».

Hinter den vier Facebook-Gruppen, die zum Protest aufriefen, stünden sie selbst sowie Freunde von ihnen. Aus Angst vor Teilnehmern einer Gegendemonstration, über die vor einigen Tagen der Radiosender «Eldoradio» berichtete, hätten sie ihre Namen auf Facebook nicht veröffentlicht. Bei der Polizei war keine Gegen-Aktion angemeldet, wie es dort am Montagmorgen auf Anfrage hieß. Wer sich die vier Facebook-Seiten aufmerksam anschaut, kann trotz mangelnden Informationen zu deren Gründern erkennen, wer dahinter steht: In den Profilbildern findet sich zum Teil ein Foto wieder, auf dem ein ADR-Plakat abgebildet ist.

Gefahr der Spaltung innerhalb der Schülerschaft

Durch die Demonstration wollten Dany Sobral und Timon Müllenheim erreichen, dass die Reform zurückgezogen wird. «Dann hätten wir einen größeren Freiraum, um neue Ideen einzubringen», sagte Sobral. Magda Orlander von der CNEL will erst einmal die Vorschläge von Ministerin Delvaux-Stehres studieren. «Wir finden, dass es zum Demonstrieren zu früh ist. Wir sind noch dabei, die Texte des Erziehungsministeriums zu analysieren und unsere Stellungnahme zur Reform auszuarbeiten», sagte sie.

Sollten sich mehrere Initiativen mit unterschiedlichen Forderungen bilden, bestünde die Gefahr der Spaltung innerhalb der Schülerschaft: «Dies würde auch bedeuten, dass die Stimme der Jugendlichen geschwächt wird».

Kerstin Smirr/L’essentiel Online/chm

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