Wegen Indianerkostüm – Sechsjähriger fliegt aus Trierer Dom
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Wegen IndianerkostümSechsjähriger fliegt aus Trierer Dom

TRIER - Weil er ein Indianerkostüm trug, wurde ein kleiner Junge aus Saarbrücken mit seinen Großeltern aus dem Trierer Dom verwiesen. Die Anweisung kam «von oben».

Hiltrud Hartmann mit ihrem Enkel Juan-Marcel. Mit diesem Kostüm kam er nicht in den Trierer Dom.

Hiltrud Hartmann mit ihrem Enkel Juan-Marcel. Mit diesem Kostüm kam er nicht in den Trierer Dom.

Herbert Hartmann

Ein Indianer kennt keinen Schmerz - und doch war dem kleinen Juan-Marcel aus Saarbrücken zum Heulen zumute. Er war bei der Fastnachtsfeier seiner Grundschule am Freitag in Alt-Saarbrücken als Indianer verkleidet. Danach holten ihn seine Großeltern ab und fuhren mit dem Enkel nach Trier. Als sie den Dom besichtigen wollten, geschah das Unfassbare: Sie wurden rausgeschmissen. Wegen des Kostüms. Das berichtet die Saarbrücker Zeitung.

Was genau war passiert? Hiltrud und Herbert Hartmann schlenderten mit Juan-Marcel in den Dom. Sie waren kaum drin, kam ein Aufseher auf sie zu. «Mit seinem Faschingskostüm muss er raus», sagte dieser, wie Hiltrud Hartmann berichtet. «Ein junges Ehepaar, das in der Nähe stand, drehte sich um und sah den Mann und uns ungläubig an und schüttelte den Kopf», erzählt Hartmann. Sie dachten zuerst an einen Scherz. Die Anweisung käme «von oben», sagte der Mann jedoch mit Nachdruck. Vom Bischof? Vom Papst? Oder gar von Gott persönlich? So klar wurde es offenbar nicht.

«Wir waren entsetzt»

Klar war aber, dass es sich nicht um einen Witz handelte. Denn als das Trio den Verweis ignorieren wollte und weiter ins Kircheninnere stiefelte, stellte sich der Mann in den Weg und zeigte auf den Jungen: «Er muss raus hier!» Die Hartmanns wussten nicht wie ihnen geschah: «Wir waren entsetzt. Mein Mann sagte ihm, dass wir Mitglieder dieser Kirche sind und unsere Steuern zahlen.»

Das Ehepaar verließ den Dom schließlich mit ihrem verstört wirkenden Enkel. In der evangelischen Basilika seien sie dann willkommen gewesen, wie Hiltrud Hartmann berichtet. Dort gab es extra einen Tisch für die Kinder, wo sich Juan-Marcel hinsetzte und eine Prinzessin malte. Zum Abschluss bekam er sogar noch ein Bibel-Malbuch geschenkt - spätestens da war der Schmerz verflogen.

Auf Anfrage vom Trierischen Volksfreund zeigten sich Dompropst Werner Rössel und Domdechant Franz Josef Gebert verwundert über den Vorfall. Es gebe keine Anweisungen, verkleidete Kinder nicht in den Dom zu lassen. Die zuständige Domaufsicht hatte am Montag jedoch geschlossen. «Die Sache tut uns leid», sagte Gebert.

(L'essentiel)

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