Julian Assange – Seit zwei Jahren unter künstlichem Sonnenlicht

Publiziert

Julian AssangeSeit zwei Jahren unter künstlichem Sonnenlicht

Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt seit Juni 2012 in der Botschaft Ecuadors in London fest. Die hohen Kosten müssen die britischen Steuerzahler berappen.

Der Wikileaks-Gründer wirkt ernster als sonst – und bleicher, obwohl er sich einmal am Tag unter eine Lampe mit künstlichem Sonnenlicht setzt. «Nach mehreren Monaten ohne Tageslicht lautet meine Lektion, vorsichtig mit Sonnenstrahlen zu sein», erzählte er einem Reporter von Spiegel Online.

Im Sexkrimi um Julian Assange tut sich seit zwei Jahren wenig. Nachdem das höchste britische Gericht seine Auslieferung nach Skandinavien erlaubt hatte, war Assange am 19. Juni 2012 in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet. Seither arbeitet er in einem Hinterzimmer der Botschaft weiter.

Assange fürchtet Auslieferung in die USA

Vergewaltigung und sexuelle Nötigung wirft die schwedische Staatsanwaltschaft dem 42-Jährigen vor. Die Anschuldigungen seien erfunden, um ihm und Wikileaks zu schaden, hält Assange dagegen. Er fürchtet sich vor einer Auslieferung nach Skandinavien. Nicht, weil er schuldig sei, betont er. Vielmehr fürchte er eine Auslieferung von Schweden in die USA.

In den USA wurde Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (vormals Bradley Manning) zu 35 Jahren Haft im Militärgefängnis verurteilt. Auch auf britischem Boden fürchtet Assange eine Verhaftung. Daher will er die ecuadorianische Botschaft nicht verlassen.

Den britischen Steuerzahler kommt der Fall Assange teuer zu stehen: Wie Ecuadors neuer Botschafter Juan Falconi Puig der ««Times»» erklärte, haben die speziellen Sicherheitsmaßnahmen des britischen Geheimdienstes rund um die Botschaft zwischen Juni 2012 und März 2014 sechs Millionen Pfund (etwa 9,2 Millionen Franken) gekostet.

Weder vor noch zurück

Der Fall ist zäh: Seit zwei Jahren geht nichts vor und nichts zurück. Und das könnte noch lange so bleiben. Der Australier «leide» zwar, sagte Botschafter Falconi britischen Medien. Er könne aber bis an sein Lebensende in seinem Botschaftszimmer bleiben.

Falconis Vorgängerin hatte ihren Posten angeblich auch räumen müssen, weil sich in der Angelegenheit nichts tat. Der einfachste Weg aus dieser Sackgasse sei, Assange nach Ecuador ausreisen zu lassen, zitierte die Times den Botschafter.

Assange kämpft weiter

Der Verdächtige selbst hat sich bereit erklärt, den schwedischen Behörden in der Botschaft Red und Antwort zu stehen. Dazu ist die Staatsanwaltschaft aber nicht bereit – obwohl jüngst mehrere Parlamentarier diese Lösung befürworteten. In Stockholm sehen manche die Causa als Zirkus, dem endlich ein Ende gesetzt werden solle.

Assanges Unterstützer geben sich kämpferisch. «Man kann ihn in ein Zimmer einsperren, aber man kann ihn nicht davon abhalten, zu kämpfen – sehr zum Ärger der US-Regierung», sagt Sarah Harrison, die ebenfalls für Wikileaks arbeitet.

Snowden stützt Assanges Behauptungen

Sarah Harrison löst Assange mittlerweile als öffentliches Gesicht von Wikileaks ab. Das gilt besonders seit der filmreifen Flucht von Edward Snowden, die sie maßgeblich vorantrieb. Als Trost bleibt Assange, dass Snowdens Enthüllungen viele seiner Behauptungen bestätigt haben.

Die Informationen über die Überwachung durch US-Geheimdienste haben dem Wikileaks-Aktivisten in vielem Recht gegeben, was er 2012 in seinem Buch «Cypherpunks» beschrieb. Damals hielten ihn viele Rezensenten schlicht für paranoid. Im September soll Assanges nächstes Buch erscheinen, basierend auf einer Unterhaltung mit Google-Manager Eric Schmidt. So streitbar er auch ist – paranoid dürfte Assange nicht mehr genannt werden.

(L'essentiel/sda/kle)

Deine Meinung