Wulff Vs. verleumdungen – Sex, Lügen und Internet
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Wulff Vs. verleumdungenSex, Lügen und Internet

Seit sich Bettina Wulff gegen dubiose Gerüchte wehrt, wird eine Rufmordkampagne öffentlich: Blogs, Medien und «Google» sollen die Schlammschlacht befördert haben.

Trübe Aussichten: der ehamlige Bundespräsident Christian Wulff und seine gattin Bettina, wer ist der Urheber der Verleumdungen?

Trübe Aussichten: der ehamlige Bundespräsident Christian Wulff und seine gattin Bettina, wer ist der Urheber der Verleumdungen?

DPA

Bis vor Monaten war es noch ein Kleinkrieg, den Bettina Wulff führen musste. Die Anwälte der früheren deutschen First Lady gingen in Stellung gegen Blogs wie «Rentner-News» oder «Gehirnfuerze.blogspot», die Gerüchte verbreiteten. Es folgten Gefechte mit Medien wie dem «Stern», der «Mediengruppe Österreich» oder der «Berliner Zeitung». Zuletzt der Grossangriff: Am 7. September reichte die 38-Jährige Beschwerden gegen Günter Jauch und «Google» vor Gericht ein.

Einen Tag später enthüllte die «Süddeutsche Zeitung», dass schon seit 2006 das Märchen verbreitet wurde, Bettina Wulff habe früher im Rotlichtmilieu gearbeitet. Die Denunziation habe demnach dem damaligen niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff schaden sollen. Im Internet breiteten sich die Denunziationen dann epidemieartig aus. Nach Recherchen von «Bild am Sonntag» wurden haltlose Behauptungen über eine angebliche Tätigkeit Bettina Wulffs in einem Bordell sogar aus Wulffs eigener Landesregierung verbreitet.

«Was da über meine Frau alles verbreitet wird an Phantasien»

Konkret sei es um Zeugenaussagen aus einem Steuer-Strafverfahren gegen das «Chateau am Schwanensee» bei Osnabrück gegangen, das im Jahr 2004 in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und schliessen musste. Die Ermittler hätten seinerzeit auch eine der dort tätigen Prostituierten befragt. Sie habe über eine Kollegin «Tina, Studentin» berichtet, die für ein Jahr in dem Bordell gearbeitet habe. Diese Zeugenaussage sei mit dem verleumderischen Hinweis gestreut worden, dabei könne es sich um Bettina Wulff handeln.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» erinnert an das Fernsehinterview von Christian Wulff im Januar, in dem sich der damalige deutsche Präsident politischen Vorwürfen stellen musste. Dabei sprach der Politiker vor 11,5 Millionen Zuschauern darüber, dass er viel über sich lesen müsse - «auch im Internet, wenn Sie da sehen, was da über meine Frau alles verbreitet wird an Phantasien». Heute ist klar, dass er die nun öffentlich geworden Verleumdungen gemeint hat. Schon damals hätten die Wulffs angeblich erwogen, per Anwalt gegen Gerüchte vorzugehen.

Wohl nichts Spektakuläres

Dass der massive Gegenschlag genau jetzt kommt, kann aber nicht verwundern. Noch in dieser Woche erscheint Bettina Wulffs Buch «Jenseits des Protokolls», in dem die Hannoveranerin laut «Welt» auch beschreibt, was sie in Wahrheit vor ihrer Ehe gemacht hat. «Spektakuläres, davon darf man vermutlich ausgehen, ist nicht dabei», schrieb die Tageszeitung.

Google wies den Unterlassungsanspruch der Wulffs vollständig zurück. «Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider», sagte der Sprecher Kay Oberbeck auf dapd-Anfrage. Die angezeigten Begriffe seien «das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe. Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor.»

Die Mär von der Unbeeinflussbarkeit

Dass die Autovervollständigungsfunktion von Google bei der Suche nach Wulff zum Beispiel «Prostituierte» anzeigt, ist laut «Spiegel Online» aber nicht naturgegeben. Früher seien oft Worte wie «Torrent» oder «Crack» aufgelistet worden, weil die User oft nach solchen illegalen Tauschbörsen suchen würden. Ende 2010 kündigte der Konzern an: «Wir werden Begriffe blockieren, die eng mit Piraterie verbunden sind.» Das Nachrichtenmagazin verweist ausserdem darauf, dass Profile des Sozialnetzwerks «Google +» unnatürlich weit oben in der Google-Suche auftauchen.

Günter Jauch indes hat eine Unterlassungserklärung unterschrieben. In der Sache selbst plädierte der Moderator aber auf nicht schuldig. Er liess über seinen Anwalt erklären, er habe niemals eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern in einer Sendung am 18. Dezember 2011 lediglich aus einem Artikel der «Berliner Zeitung» zitiert.

«Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben», betonte ausgerechnet der «Gegendarstellungskönig», wie ihn einst die «Frankfurter Allgemeine SonntagsZeitung» taufte (siehe auch «Süddeutsche Zeitung»: «Jauch, der Schurke im Stück»).

( L'essentiel Online / phi/dapd)

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