David gegen Goliath – «Sich mit Apple anlegen heißt mit Feuer spielen»

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David gegen Goliath«Sich mit Apple anlegen heißt mit Feuer spielen»

LUXEMBURG – Der Apfel ist das Markenzeichen eines neuen Restaurants in der Stadt. Der IT-Gigant Apple sieht das nicht gern. Drei junge Luxemburger Unternehmen wehren sich nun und landen damit einen ungeplanten Werbe-Coup.

Anfang 2011 hat Jiajia Wu zusammen mit einem jungen Luxemburger und einem jungen Belgier das Restaurant  «Apple a day» eröffnet. Äpfel werden auf der Speisekarte mehr als einmal erwähnt.

Anfang 2011 hat Jiajia Wu zusammen mit einem jungen Luxemburger und einem jungen Belgier das Restaurant «Apple a day» eröffnet. Äpfel werden auf der Speisekarte mehr als einmal erwähnt.

L'essentiel

Im Januar haben Sie mit Ihren beiden Geschäftspartnern «Apple a day» in der Nähe der Place d’Armes eröffnet. Anfang April flatterte ein Schreiben des Informatikkonzerns Apple ins Haus. Wie kam es dazu?
Jiajia Wu: Nachdem wir im Januar den Namen unseres Restaurants haben eintragen lassen, muss eine Apple-Filiale in den Niederlanden gezielt das Luxemburger Register durchgegangen sein. Jedenfalls haben sie die dreimonatige Berufungsfrist genutzt, um Einspruch gegen unseren Markennamen und den Apfel in unserem Logo einzulegen.

Was war Ihre erste Reaktion?
Ich konnte es überhaupt nicht glauben und dachte, mein Kompagnon würde scherzen. Für mich war es undenkbar, dass uns Apple angreifen könnte. Der Apfel in unserem Firmenlogo erinnert überhaupt nicht an Hightech, sondern wirkt sehr natürlich.

Wie wollen Sie sich wehren?
Wir hoffen sehr, dass Apple mit einer gütlichen Einigung einverstanden ist, die unser Anwalt vorgeschlagen hat. Darin garantieren wir, dass wir niemals im Informatikbereich tätig werden. Wir verkaufen gesundes Essen, das ist alles. Zum Schmunzeln bringt mich, dass Apple in der gleichen Situation war wie wir. Die Amerikaner mussten Namen und Logo vor Gericht gegen den Beatles-Produzenten Apple Corps verteidigen.

Haben Sie sich schon Gedanken über einen neuen Namen gemacht?

Wir haben unter uns ein wenig überlegt, aber eigentlich wollen wir unser Konzept so lange wie möglich verteidigen. Wenn ich nur an die Kosten denke, die eine Namensänderung mit sich brächte... Wir müssten eine Werbeagentur beauftragen, alle Logos und die Deko im Restaurant ändern...

Wie wär’s mit einer Birne? Oder einer Möhre?
Naja. Wir haben schon mit Absicht auf den Apfel gesetzt, weil er am besten das Konzept von gesunder Nahrung umsetzt. Der Name «Apple a day» lehnt sich an das englische Sprichwort «An apple a day keeps the doctor away» an. Außerdem ist ein Apfel beliebte Diätnahrung, kaum jemand ist allergisch auf Äpfel. Die Möhre hat sich die Konkurrenz schon gesichert.

Wie weit sind Sie bereit zu gehen in Ihrem Widerstand gegen Apple?
So weit wie möglich. Ich würde mein persönliches Hab und Gut aufs Spiel setzen, aber selbst das dürfte im schlimmsten Fall nicht ausreichen, um gegen Apple anzukommen. Dumm nur, dass ich mir für unser Restaurant wirklich nichts anderes vorstellen kann, als das Konzept, das nun steht.

In Luxemburg spricht man über Ihren Laden, selbst das deutsche Fernsehen war schon da. Eine bessere Werbung für Ihr neues Restaurant könnte man sich gar nicht ausdenken...
Es stimmt schon, dass wir kurzfristig profitieren. Einige Kunden sind sogar vorbeigekommen, um sich zu erkundigen, wie es weitergeht. Aber die Reaktionen sind sehr diskret. Im Internet ist das anders. Dort wirft man uns vor, wir hätten die Probleme inszeniert. Das ist Quatsch! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Apple eine solche Werbekampagne hinnehmen würde. Und sich mit Apple anzulegen, heißt mit dem Feuer spielen.

Wie reagieren Sie, wenn ein Kunde seinen Apple-Computer auf einen ihrer Tische stellt?
Das ist kein Problem. Wir nutzen ja selbst auch Apple-Produkte...

sb/L'essentiel Online

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