Böse Autofahrer – Sie bremsen für Schildkröten... nicht

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Böse AutofahrerSie bremsen für Schildkröten... nicht

Eine Vogelspinne, eine Schildkröte und eine Schlange überqueren die Straße. Wer von den dreien wird am ehesten überfahren? Dies ist nun wissenschaftlich erforscht.

Der Amerikaner Nathan Weaver studiert im US-Bundesstaat South Carolina Umweltwissenschaften. Eigentlich wollte er eine Arbeit darüber schreiben, wie man Schildkröten sicher über eine stark befahrene Straße bringen könnte und damit etwas gegen die ständig sinkende Schildkröten-Population in den USA tun.

Weaver setzte eine Plastikschildkröte, die wie eine echte aussah, auf eine Straße und beobachtete das Verhalten der Autofahrer. Viele von ihnen änderten tatsächlich die Fahrtrichtung. Aber nicht etwa, um dem Tier auszuweichen, sondern um es mit voller Absicht zu überfahren. Schon in der ersten Stunde versuchten sieben Autofahrer die falsche Schildkröte zu töten.

Wer stirbt am häufigsten?

Ein ähnliches Experiment machte im Sommer 2012 Mark Rober. Der normalerweise für die NASA arbeitende Wissenschaftler hatte gelesen, dass Schildkröten auf US-Straßen am häufigsten überfahren werden. Rober, der nicht immer glaubt, was er liest, ging wie Weaver los, und setzte echt aussehende Plastiktiere auf Überlandstraßen. Auch eine künstliche Vogelspinne und ein Kunststoffblatt als Kontrollgruppe legte er auf den Asphalt.

Nach ungefähr 1000 Autos konnte Rober die Daten auswerten. Dabei stellte er fest, dass 94 Prozent der Fahrer «langweilig» waren und die Tiere verschonten. Von den sechs Prozent «kaltblütigen Plastiktier-Killern» hat die Mehrheit, nämlich 32 Prozent, die Vogelspinne platt gemacht. Die Schlange wurde von 1,8 Prozent der Lenker überfahren und die Schildkröte von einem Prozent. Was immerhin noch zehn Autos entspricht. Das Blatt, zur Beruhigung von Pflanzenfreunden, wurde null Mal überfahren. Auch zu den Tatwaffen gibt es eine Erhebung. Laut Rober waren diese zu 89 Prozent Lastwagen und SUVs.

Glücklicherweise konnte Rober aber auch Leute beobachten, die anhielten um das vermeintlich echte Tier aus der Gefahrenzone und über die Straße zu tragen. Dabei konnte der Forscher feststellen, dass Schildkröten am häufigsten, vor den Schlangen, gerettet wurden. Die Vogelspinne und das Blatt hingegen vermochten keinen hinter dem Steuer hervorzulocken.

Auch über «coole Retter» und «pferdeschwanztragende Wissenschaftshasser» hat Rober etwas zu sagen. Was, das sehen Sie ab Minute 2:20 im Video oben.

(L'essentiel Online/lue)

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