US-Spezialeinheiten – Sie haben den Terroristen, der Bin Laden doubelte

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US-SpezialeinheitenSie haben den Terroristen, der Bin Laden doubelte

Fast zeitgleich sind US-Spezialeinheiten in Somalia und in Libyen gegen Top-Terroristen vorgegangen. Doch nur eine der beiden Aktionen war erfolgreich.

Die Navy Seals waren auf Terroristenjagd im Einsatz. Doch im Gegensatz zur Nacht-und Nebel-Aktion in Pakistan 2011, bei der die US-Spezialeinheit Osama Bin Laden zu fassen kriegte, ging die Rechung in Afrika nur zur Hälfte auf. Hochspannung war allemal gegeben bei den beiden Operationen, die fast zeitgleich in Somalia und Libyen über die Bühne gingen und über die jetzt Einzelheiten bekannt wurden.

Das Ziel der Navy Seals in Somalia: Eine Villa, die Sheikh Moktar Ali Zubeyr, besser bekannt als Ahmed Abdi Godane, gehören soll. Er ist der aktuelle Anführer der Terrormiliz Al-Schabaab, die sich zum blutigen Angriff auf das Einkaufszentrum «Westgate» vom 21. September in Kenia bekannte. In der Villa sollte sich ein Somalier mit dem Decknamen Ikrimah verstecken – einer der Top-Planer von Al-Schabaab.

Seals wurden entdeckt und beschossen

Der Angriff des Team 6 der Seals erfolgte laut «New York Times» eine Stunde vor Morgengrauen an der somalischen Küste. Doch die so genannte «Snatch-and-grab»-Aktion misslang. Die US-Soldaten wurden entdeckt und beschossen. Sie mussten sich zurückziehen – ohne den Somalier Ikrimah und ohne den al-Schabaab-Anführer Godane.

Weitaus erfolgreicher war die Aktion in Libyen. Hier schlug die Spezialeinheit Delta Force in Tripolis zu. Ihr Ziel: Nasih Abd al-Hamid al-Rukai, Kämpfername Abu Anas al-Liby. Er soll ein Al-Kaida-Mitglied der ersten Stunde sein. So verdächtigen ihn die USA, an den Bombenanschlägen von 1998 auf US-Botschaften in Kenia und Tansania mit über 200 Toten beteiligt gewesen zu sein, wie die «New York Times» in einem anderen Artikel berichtet.

Gegen Gaddafi und für Bin Laden

Mehr noch: Der gebürtige Libyer studierte in Tripolis, war früh schon Mitglied islamistischer Organisationen und kämpfte im Untergrund gegen Diktator Muammar al-Gaddafi. Aus diesem Grund erhielt der 49-Jährige für kurze Zeit auch politisches Asyl in Großbritannien. Später schloss er sich der Al-Kaida an und wurde ihr wichtigster Computerexperte. In den 1990er Jahren soll al-Liby sogar als Doppelgänger von Osama Bin Laden eingesprungen sein. Kurz nach dem 11. September 2001 setzten ihn die USA auf die Liste der meistgesuchten Terroristen, ein Millionenkopfgeld inklusive.

In den frühen Morgenstunden schnappten sich die Männer der Delta Force den mutmaßlichen Terroristen. Er war offenbar auf dem Heimweg vom Morgengebet. «Drei Autos voller bewaffneter Männer umkreisten seinen Wagen, schlugen die Scheiben ein, entwaffneten ihn und rasten mit ihm davon», berichtet al-Libys Bruder Nabih gegenüber der «New York Times».
Al-Liby befinde sich nicht mehr länger in Libyen, hieß es wenige Stunden später aus dem US-Verteidigungsministerium.

Offenbar wird der Al-Kaida-Kommandeur auf einem Marineschiff festgehalten – ganz «legal», wie Außenminister John Kerry heute betonte. Die Gefangennahme sei «rechtmäßig und angemessen» gewesen. Bei den Verhören erhofft man sich wichtige Einblicke in das Innenleben von Al-Kadia.

(L'essentiel Online/gux)

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