«Loo Lady» – Sie kam für Shakespeare und blieb wegen der Klos

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«Loo Lady»Sie kam für Shakespeare und blieb wegen der Klos

Eine kalifornische Schauspielstudentin bietet in London eine Führung zu den stillen Örtchen der Metropole an.

Es gibt einige Theorien, wieso die Briten ihre Toiletten «loo» nennen. Aber keine davon ist schlüssig belegt. Die einen meinen, «loo» entstamme dem französischen Ausruf «gardez l'eau!» (Achtung, Wasser!), mit dem gewarnt wurde, wenn man seinen Nachthafen vom Fenster auf die Straße entleerte. Andere glauben, dass das WC in Gasthäusern oft im Zimmer 100 untergebracht war – und die Zahl «100» ist leicht als «loo» zu lesen.

Eine weitere Theorie sieht «loo» als Fehlaussprache des Französischen «le lieu» (der Ort). Auch kursiert die Ansicht, der Name gehe auf Lady Louisa zurück, der bei der Bevölkerung unbeliebten Gattin des Grafen von Lichfield. Als das Paar 1876 bei Freunden zu Besuch war, sollen ein paar Scherzkekse das Namensschild der Lady mit jenem der Toilette vertauscht haben.

Seltene Klos

Allen Theorien zum Trotz bleibt der Ursprung des Begriffes «loo» ein Mysterium. Weitaus dringender dürfte in diesem Zusammenhang für viele Touristen in London eine andere Frage sein: Wo ist das nächste loo? In der britischen Metropole sind öffentliche Klos längst eine Seltenheit. Die British Toilet Association schätzt, dass es in Großbritannien 40 Prozent weniger öffentliche Toiletten gibt als noch vor zehn Jahren.

Das erste Patent

In diesem Missstand hat Rachel Cole-Wilkin ein Geschäftsmodell erkannt. Die 29-Jährige war vor sieben Jahren von San Francisco nach London gezogen, um Schauspiel zu studieren. Die Ausbildung finanzierte sie sich mit Führungen für Touristen, bei denen sie immer wieder auf das Problem stieß, dass ihre Kunden ihre Grundbedürfnisse stillen mussten.

Daraus entwickelte Cole-Wilkin die Idee einer Tour von stillem Örtchen zu stillem Örtchen. Sie machte sich schlau über die Geschichte der Toilette und blieb der Stadt, dem Thema und den von ihr gegründeten «Loo Tours» treu, als ihr Studium beendet war. Das passte, schließlich ließ sich der Erfinder Alexander Cumming 1775 das erste Patent auf die Toilette mit Spülung in London ausstellen.

Große Nachfrage

Zurzeit hat sie drei Führungen im Angebot: «History of the British Public Toilet», «Potty Politics: Gender and Toilets» sowie «The True Thomas Crapper Story». Die Nachfrage ist groß: Die Führungen zu kuriosen Klosetten und zu Teilen der städtischen Kanalisation finden drei- bis viermal wöchentlich statt.

Rachel Cole-Wilkin, die sich selber als «Loo Lady» bezeichnet, hält dabei anstelle eines Fähnchens eine Saugglocke in die Höhe, um ihr Grüppchen beisammenzuhalten. So viel britischer Humor muss auch bei einer Exil-Amerikanerin sein. Der Besammlungsort für die Stadtrundgänge ist ebenso passend gewählt: Man trifft sich an der U-Bahn-Station Waterloo.

(L'essentiel/mat)

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