Premiere geplatzt – Sie wollten die erste Homo-Ehe schließen

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Premiere geplatztSie wollten die erste Homo-Ehe schließen

LUXEMBURG - Ihre Hochzeit sollte eine Premiere in Luxemburg werden. Patrick Dias und Luciano Martins wollten sich im März das Ja-Wort geben. Doch dann machte die Regierung in Lissabon ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Ihre Hochzeit sollte eine Premiere für Luxemburg sein: Luciano, 32, und Patrick, 30.

Ihre Hochzeit sollte eine Premiere für Luxemburg sein: Luciano, 32, und Patrick, 30.

L'essentiel

Die Hochzeitsfeier war gebucht, Familie und Freunde eingeladen – am 25. März wollten sich Patrick Dias und Luciano Martins im portugiesischen Konsulat in Luxemburg das Ja-Wort geben.

Der 30-jährige Patrick und sein 32-jähriger Lebensgefährte Luciano sind Portugiesen und leben in Luxemburg. Anders als das Großherzogtum erlaubt ihr Heimatland seit Juli letzten Jahres die Homo-Ehe.

«Druck auf Regierung ausüben»

Erst ein Fax aus Lissabon machte ihnen am 19. Januar einen Strich durch die Rechnung. Darin gab die Regierung die Order an ihre Auslandsvertretungen, keine Homo-Ehen in Ländern zu schließen, wo diese nicht auch erlaubt ist.

Die Enttäuschung ist groß: «Wir wollten vor allem aus Liebe heiraten», erklärt Patrick. «Wir hatten gemeinsame Pläne, wollten einen Kredit aufnehmen, um ein Haus zu kaufen. Die Idee war aber auch, Druck auf die luxemburgische Regierung auszuüben, zu zeigen, dass wir so glücklich verheiratet sein können wie jedes ‚normale Paar‘ auch.» Diese Bezeichnung bekamen die beiden Verliebten schon oft zu hören.

Beim Essen mit Mutter um Hand angehalten

Die beiden Männer gehen unterschiedlich mit der Situation um: Patrick scheint gegen homophobe Äußerungen gewappnet, Luciano, der erst kürzlich sein Coming-Out machte, gehen sie jedoch nah. Und doch war er es, der beim Abendessen mit seiner Mutter um die Hand seines Freundes anhielt. Beide Familien freuten sich über das Glück der beiden.

Die Hochzeitspläne mussten sie nun ändern: am Valentinstag gegen gibt sich das Paar in Portugal das Ja-Wort. Ob die Ehe in Luxemburg anerkannt wird, ist unklar. Dann können sie das nächste Projekt angehen: ein gemeinsames Kind. Obwohl er gern Kinder hätte, fürchtet Patrick Getuschel. Luciano hat bereits einen Sohn und hofft, dass dieser nie unter der Partnerschaft seines Vaters leiden muss.

L'essentiel Online mit Séverine Goffin

Wo ist die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt?

Zehn Länder erlauben die Homo-Ehe. Das sind die Niederlande, Belgien, Spanien, Kanada, Südafrika, Norwegen, Schweden, Portugal, Island und Argentinien. In ein einigen Bundesstaaten der USA und Mexikos ist sie ebenfalls gesetzlich geregelt. In Frankreich ist ein Gesetzesprojekt am vergangenen Freitag am Verfassungsrat gescheitert.

«Homo-Ehe steht nichts mehr im Weg»

L’essentiel: Vor einem Jahr wurde dem Parlament eine Petition mit 2 000 Unterschriften für die standesamtliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare übergeben…

François Diderrich (Vorsitzender des Vereins Rosa Lëtzebuerg):… und seitdem hat sich einiges getan. Es fehlt nur noch das Gutachten vom Staatsrat bevor über das Gesetzesprojekt abgestimmt werden kann. Es besteht aber kaum Hoffnung, dass die Abstimmung vor dem Herbst stattfinden kann.

Erscheint ihnen das nicht ein wenig zu langwierig?

Was zählt ist, dass der Homo-Ehe in Luxemburg dann nichts mehr im Weg steht. Man kann keinem Abgeordneten vorwerfen, das Projekt absichtlich hinausgezögert zu haben. Selbst wenn das Gesetz in Kraft ist, muss es aber europaweite Nachbesserungen geben. Kein EU-Land muss zum Beispiel eine in einem anderen Land geschlossene Ehe gleichgeschlechtlicher Paare anerkennen. In Luxemburg sind davon viele Paare betroffen.

Welche Forderungen vertritt Rosa Lëtzebuerg bezüglich der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare?

Die einfache Adoption ist für Einzelpersonen möglich, nicht aber für homosexuelle Paare. Das muss vereinheitlicht werden. Das Adoptionsrecht muss sich den neuen Familiensituationen anpassen. Das Ombudskomite fir d’Rechter vum Kand hat sich bereits dafür ausgesprochen, der Ethikrat hat noch Zweifel. Da müssen wir noch etwas abwarten.

(Patrick Jacquemot)

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