102 Kilogramm Gold – Skandal um Luxemburger Millionen-Konto
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102 Kilogramm GoldSkandal um Luxemburger Millionen-Konto

LUXEMBURG - Laut eines Zeitungsberichts soll eine französische Bürgermeisterin ein millionenschweres Konto in Luxemburg illegal geleert haben.

Bereits 1996 wurde das Konto bei der Rothschild Luxemburg eröffnet.

Bereits 1996 wurde das Konto bei der Rothschild Luxemburg eröffnet.

DPA

Die Pariser Satirezeitung Canard Enchaîné hat im Jahr 2011 die Finanzgebaren einer französischen Bürgermeisterin in Luxemburg enthüllt. Joëlle Ceccaldi-Raynaud, Stadtoberhaupt von Puteaux im Großraum von Paris, hatte damals selbst angegeben, dass ihr Konto in Luxemburg auf legalem Wege mittels einer Banküberweisung nach Frankreich transferiert worden sein.

Am Donnerstag veröffentlichte die Website Mediapart jedoch eine ganz andere Version der Geschichte. Demnach sei das Konto im Großherzogtum zwischen 2008 und 2009 Stück für Stück geräumt worden. Insgesamt seien 3,2 Millionen Euro von den Konto überwiesen und 860.000 Euro Bargeld abgehoben worden. Zudem seien satte 102 Kilogramm im Tresor eingelagertes Gold – weitere 3,2 Millionen Euro – abgeholt worden.

Der Bericht beruht auf Bankunterlagen, die aus Luxemburg für französische Gerichte bereitgestellt wurden. «In einem Zeitraum von sechs Monaten waren eine oder mehrere nicht identifizierte Personen zehnmal in Luxemburg.» Um das Konto zu leeren, heißt es.

Ermittlungen eingestellt

Im September 1996 wurde das Konto bei der Privatbank Rothschild Luxemburg eröffnet. Schnell wurden mehrere Millionen eingezahlt. «Angeblich stammte das Geld von Ceccaldi-Raynauds Großmutter, doch die Ermittler konnten keine Spur finden, die auf ein derartiges Erbe hinweißt», schreibt Mediapart. Die Zeitung spricht von «verdächtigen Zahlungen» und «Cash-Rabatten».

Im Jahr 2002 wurde schließlich die Untersuchung eröffnet. Fünf Untersuchungsrichter wurden zu Rate gezogen, die allerdings nicht sehr aktiv waren. Einzig Isabelle Prévost-Desprez veranlasste im Jahr 2004 eine Durchsuchung der Büros von Ceccaldi-Raynaud und ihrem Vater Charles in Rathaus, Senat und Parlament von Puteaux. 2014 wurde eine Untersuchung von Konten auf den Jungferninseln zur Identifizierung von Besitzern von Briefkastenfirmen wieder geschlossen.

Zur Zeit ist lediglich Charles Ceccaldi-Raynaud offiziell angeklagt. Tochter Joëlle gilt lediglich als unterstützende Zeugin. Es gebe zwar keine Beweise, dass das Luxemburger Konto klammheimlich geleert wurde. Doch die Enthüllungen von Mediapart könnten die Untersuchungen wieder neuen Schwung verleihen.

(Nico Chauty/L'essentiel)

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