Neuseeland: So bewegt war die Amtszeit von Jacinda Ardern

Publiziert

NeuseelandSo bewegt war die Amtszeit von Jacinda Ardern

Die neuseeländische Ministerpräsidentin wurde für ihre Empathie gelobt. Dass sie jetzt ihren Rücktritt bekannt gegeben hat, ist für viele Landsleute ein Schock.

von
Shanice Bösiger
1 / 3
Jacinda Ardern tritt als neuseeländische Premierministerin zurück.

Jacinda Ardern tritt als neuseeländische Premierministerin zurück.

IMAGO/AAP
Ardern war 2017 bei ihrer Wahl zur Regierungschefin mit 37 Jahren eine der jüngsten Frauen weltweit an der Spitze einer Regierung.

Ardern war 2017 bei ihrer Wahl zur Regierungschefin mit 37 Jahren eine der jüngsten Frauen weltweit an der Spitze einer Regierung.

IMAGO/AAP
Bereits in zweieinhalb Wochen, am 7. Februar, werde sie ihr Amt aufgeben, sagte die 42-Jährige am Donnerstag.

Bereits in zweieinhalb Wochen, am 7. Februar, werde sie ihr Amt aufgeben, sagte die 42-Jährige am Donnerstag.

AAPIMAGE

Jacinda Ardern ist für Frauen eine Quelle der Inspiration gewesen: Mit 37 wurde sie 2017 neuseeländische Ministerpräsidentin, 2018 war sie erst die zweite Regierungs- oder Staatschefin, die im Amt ein Kind zur Welt brachte. Bei der Bekanntgabe ihres Rücktritts am Donnerstag zeigte sie Gefühle – Ardern war den Tränen nahe.

In Neuseeland hatte es Ardern mit zunehmendem politischen Druck zu tun bekommen. Die Kritik war manchmal auffallend heftig, dennoch war die Ankündigung von Ardern für viele Neuseeländerinnen und Neuseeländer ein Schock.

Ardern hat es im Amt auch mit Tragödien zu tun

Im März 2019 erlebte Neuseeland einen der dunkelsten Tage in seiner Geschichte, als ein Verfechter einer «weißen Vorherrschaft» zwei Moscheen in Christchurch angriff und 51 Menschen tötete. Ardern brachte Empathie für Überlebende und Angehörige der muslimischen Gemeinde zum Ausdruck. Nach dem Angriff leitete Ardern innerhalb weniger Wochen eine neue Gesetzgebung in die Wege, um die stärksten halbautomatischen Waffen zu verbieten. 

Weniger als neun Monate nach dem Gewaltverbrechen kam wieder eine Krise. Beim Ausbruch des Vulkans auf White Island starben 22 Touristen und Tourguides.

Der Umgang Arderns mit der Coronavirus-Pandemie brachte ihr zunächst auch Lob ein. Neuseeland schaffte es anfangs, das Coronavirus an den Landesgrenzen aufzuhalten. Ardern löste aber Ärger bei Gegnern der Coronavirus-Vorschriften aus. Ein Protest auf dem Parlamentsgelände in Wellington im vergangenen Jahr dauerte mehr als drei Wochen. Ardern ließ aber auch erkennen, dass die Kritik nicht einfach an ihr vorbeiging. 

Der Regierung wurde vorgeworfen, dass sie zwar große Ideen habe, aber schlecht in der Ausführung sei. Unterstützer befürchteten, dass die Regierung nicht wie versprochen genug geleistet habe, um für mehr Unterkünfte zu sorgen und gegen Kinderarmut vorzugehen. Gegner kritisierten, dass sie nicht mehr gegen Kriminalität und die Schwäche der Wirtschaft tue. 

Zukunftspläne von Jacinda Ardern 

Für die unmittelbare Zukunft hat Ardern nach eigenen Angaben keine konkreten Pläne. Sie verwies auf ihre Familie – ihre Tochter Neve und ihren Verlobten Clarke Gayford. Wegen des Coronavirus waren die Hochzeitspläne des Paars nicht aufgegangen. «Und daher an Neve: Mama freut sich darauf, da zu sein, wenn du dieses Jahr mit der Schule anfängst», sagte Ardern. «Und an Clarke: Lass uns endlich heiraten.»

Selbst vom neuseeländischen Oppositionsführer Christopher Luxon kam etwas Nettes. Er sagte, Ardern sei «eine starke Botschafterin für Neuseeland» auf der Weltbühne gewesen.

Deine Meinung

0 Kommentare