Ford F-150 Raptor – So dreckig treibt es der «Golf GTI» der Amerikaner
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Ford F-150 RaptorSo dreckig treibt es der «Golf GTI» der Amerikaner

Was für den Mitteleuropäer der Golf GTI ist, ist den Amerikanern der Ford F-150 Raptor: Das Topmodell des zivilen Bestsellers!

Der Schlamm spritzt meterhoch, der Schneematsch gefriert am Kühlergrill zu einer schmutzigen Eisschicht und das ganze Auto starrt vor Dreck. In jedem normalen Sportwagen wäre das ein Alptraum. Doch der Ford Raptor ist kein normaler Sportwagen. Sondern der Raptor ist der kraftstrotzende Ableger des F-150 und genau für solch eine Sauerei gemacht. Wo schon das Grundmodell des Pick-ups zu den hartgesottenen Jungs zählt und mit seinem derben Charme nicht umsonst seit Jahrzehnten die amerikanische Zulassungsstatistik anführt, wird er als Raptor aus der Ford Performace Division zur Power-Pritsche für verhinderte Rennfahrer.

450 PS bitten zum Schneewalzer

Möglich macht das nicht allein der drei Liter große V6-Turbo aus dem Supersportwagen Ford GT, der im Pick-up immer noch auf 450 PS und vor allem auf 691 Nm kommt. Sondern zum mächtigen Motor mit dem gewaltigen Sound gibt es vor allem ein stark modifiziertes Fahrwerk mit größerer Bodenfreiheit und längeren Federwegen sowie einen zuschaltbaren Allradantrieb, der vor allem den Spieltrieb am Steuer befriedigen will. Denn neben der üblichen Untersetzung und einem ernsthaften Offroad-Programm bietet er auch spezielle Set-ups für Schlamm, Schnee oder Sand, bei denen die Elektronik jeden noch so wilden Spieltrieb befriedigt. Und wer einmal ein Trumm von 5,90 Metern Länge allein mit dem Gasfuß gelenkt und den Raptor zum Schneewalzer gebeten hat, der weiß, wie heiß einem dabei selbst im tiefsten Winter werden kann.

Das Fahrgefühl ist schier unbeschreiblich. Man thront über der Straße wie auf einem Hochsitz. Die Rennfedern mit ihren langen Wegen geben trotz der sportlichen Härte so großzügig nach, dass man wie ein Wellenreiter durch die Pampa wogt. Wenn die 691 Nm die gut zwei Tonnen in kaum mehr fünf Sekunden auf Tempo 100 wuchten, beginnt man an der Trägheit der Maße zu zweifeln. Und wenn bei 170 km/h die Elektronik mit Rücksicht auf die grobstolligen Spezialreifen die Reissleine zieht, fühlt sich das schneller an als die 266 km/h im Focus RS.

Kein offizieller Export nach Europa

Es gibt aber neben der Wucht dieser Eindrücke noch etwas, das den Raptor grundlegend von jedem anderen Sportwagen unterscheidet – das Platzangebot! Wo man sich in einem Porsche schon hinter dem Lenkrad klein machen und mit filigranen Bedienelementen arrangieren muss, schwelgt man im Power-Pick-up in einem großzügigen Sessel aus Lack und Leder, das Lenkrad ist dick und griffig und der Wählhebel für die konkurrenzlose Zehngang-Automatik wirkt dick und schwer wie der Kopf eines Baseballschlagers. Statt einer winzigen Rückbank, die schon von zwei Winterjacken überfordert ist, bietet der Raptor hinter den Fond-Türen der XXL-Kabine ein wohnzimmertaugliches Sofa für Freunde und Familie. Und die offene Pritsche des Raptors reicht für den halben Hausstand.

Das beste an der Power-Pritsche ist aber ihr Preis: In Amerika ist schon der zivile F-150 ein Schnäppchen, und selbst die 49.520 Dollar für den Raptor sind kaum mehr als Spielgeld, wenn man den Spaß betrachtet. Zumal selbst mit allen Extras nicht mehr als 70.000 Dollar zusammen kommen. Dumm nur, dass dieser Spaß den Europäern offiziell nicht vergönnt ist. Erstens, weil man hier fast nirgends mehr ins Gelände darf. Und zweitens, weil Ford die Power-Pritsche offiziell nicht nach Europa exportiert.

(L'essentiel)

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