Insta-Hypes – So dumm wie Brot

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Insta-HypesSo dumm wie Brot

Verrückte Instagram-Hypes sind ein Ausdruck von Orientierungslosigkeit. Aktuellstes Beispiel: der Breadfaceblog.

Neuerdings schnappen sich Frauen Brötchen, kneten sie, legen sie auf den Tisch vor sich, drücken ihr Gesicht drauf, wälzen es hin und her – und fertig, das wars. Was höchst absurd klingt, ist Realität. Zumindest auf der Instagram-Seite Breadfaceblog. Dort laden diverse Frauen ihre neusten Breadface-Videos hoch und quittieren ihre Aktivitäten gegenseitig mit zahlreichen Gefällt-mir-Klicks.

Instagram-Hypes sind das Phänomen des Jahres. Breadfacing ist nämlich nur eine von zahlreichen Internet-Spinnereien, die 2015 Aufmerksamkeit im Netz erregten. Die Hashtags #mermen, #Footsies, #PosishedMan oder #Menandwine etwa sind andere Beispiele, die weltweit Begeisterung auslösten.

Hipster sind gezwungen, neue Trends zu kreieren

Karin Frick, Head Researcher vom Gottlieb-Duttweiler-Institut, überrascht dies nicht: «Auf Social Media werden vor allem Emotionen – und nicht Informationen – ausgetauscht und durch Feedback-Loops in Form von Likes entsteht eine sich selbst verstärkende Dynamik», erklärt sie. Weil sich die Mode zudem stets selbst überhole und immer schneller zum Mainstream werde, seien Hipsters folglich gezwungen, ebenfalls immer schneller neue Trends zu erfinden.

So weit, so gut. Doch, warum wird aktuell ein Internet-Hype nach dem anderen geboren, so schnell wie es nie zuvor der Fall war? Frick hat eine simple Erklärung. «Da der Glaube an größere Ideen und Mächte, an denen man sich orientieren kann, an Bedeutung verliert, orientieren wir uns vor allem daran, was andere Menschen tun.» Statt eine Vielzahl von Alternativen genau durchzudenken und abzuwägen, würden wir lieber das machen, was andere tun und uns ihnen anschließen, erläutert sie weiter. Noch immer sei das Kopieren und Imitieren eine bewährte Form des Lernens.

Eine Annäherung dank der Memetik

Das Phänomen ist sogar wissenschaftlich belegbar. Laut Frick lasse sich die Ausbreitung ansteckender Ideen am besten mit der Theorie der Memetik erklären. Diese untersucht, wie kleine Informations- und Ideeneinheiten sich ausbreiten und weitergegeben werden. (Unter dem Begriff Meme werden ansteckende Ideen, die man aufschnappt und kommuniziert, verstanden.)

Durchaus einleuchtend. Die Memetik beschreibt nämlich genau das, was im Web zuhauf zu beobachten ist: Damit eine Idee Wirkung erzeugt und sich durchsetzt, muss sie geteilt werden. Denn: «Ideen, über die nicht gesprochen wird, bewirken nichts.»

(L'essentiel)

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