Angeschossene Belgierin – «So eine Waffe wird zur Elefantenjagd genutzt»

Publiziert

Angeschossene Belgierin«So eine Waffe wird zur Elefantenjagd genutzt»

FENTINGEN – Ein Waffenexperte hat sich die Kugel angesehen, von der die Belgierin Nathalie getroffen wurde. Sein Urteil: Sie stammt aus einer Waffe zur Großwildjagd.

Fünf Tage nachdem sie ein Schuss im Gesicht verletzt hat, bliebt die Ursache für das Ereignis für die Belgierin Nathalie immer noch ein Mysterium. Wie konnte die 47-Jährige von einer Kugel getroffen werden – während sie am Samstagnachmittag mit Freunden auf einem Balkon in Fentingen saß? Die meisten Augenzeugenberichte deuten in dieselbe Richtung: Nathalie wurde von einem abgelenkten Gewehrprojektil getroffen, nachdem es in einem Maisfeld in der Nähe zu einer Wildschweinjagd gekommen war. Aber: Noch immer hüllen sich die Behörden in Schweigen. Weder die Police Grand-Ducale noch die Staatsanwaltschaft geben mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen eine Stellungnahme.

Zwei Kilometer von der Unfallstelle entfernt liegen die Gebäude des Schießstands des Sportwaffen-Schützenvereins Hesperingen. Vereinspräsident Jos Di Lazzaro erklärt unmissverständlich: «Wir haben mit dem Fall nichts zu tun. Unsere Schießstände weisen in die entgegengesetzte Richtung. Und keine Kugel, die bei uns abgefeuert wird, kann in Richtung des Balkons abgelenkt werden.» Das sei technisch unmöglich, da der Schießstand die Form eines Bunkers hat.

Jagd mit Elefantentötern?

Seit 22 Jahren ist Di Lazzaro Präsident eines Schützenvereins mit fast 1300 Mitgliedern. Er kennt sich mit Waffen aus. «Wenn ich mir die Bilder des Projektils ansehe, wurde sie sehr wahrscheinlich von einer Distanzwaffe abgefeuert. Manche dieser Kugeln fliegen bis zu zwei Kilometer weit», erklärt er vorsichtig. Di Lazzaro ist vom Durchmesser des Geschosses überrascht. «Es sieht nach dem Material aus, das für die Elefangenjagd in Afrika benutzt wird, viel größere Tiere als die Wildschweine, die in der Gegend hier oft vorkommen.»

Eines scheint jedoch sicher: Polizei und Staatsanwaltschaft werden den Schützen schon bald gefunden haben. «Jede Kugel hat ihre eigene Identität, ihre eigene DNA», erklärt Di Lazzaro. Sobald ein Projektil gefunden wurde, kann die Waffe und ihr Besitzer ausfindig gemacht werden. Und: «Obwohl die Frau entstellt ist, hat die Frau Glück im Unglück gehabt. Etwas höher oder etwas tiefer im Gesicht – und sie hätte ihr Leben verlieren können», sagt Di Lazzaro.

(Frédéric Lambert/L'essentiel)

Deine Meinung