VIP-Jets – So fliegen die Staatsoberhäupter
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VIP-JetsSo fliegen die Staatsoberhäupter

Schalldichte Büros, mobile Kommandozentralen und fliegende Fitnesszentren: Mit diesen VIP-Jets reisen die Regierungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel musste am Freitag eine Linienmaschine an den G-20-Gipfel nehmen. Einen Tag zuvor hatte «Konrad Adenauer», der Airbus der Bundesregierung, aufgrund eines Totalausfalls der Kommunikationsanlage außerplanmäßig in Köln landen müssen. Auch der Weiterflug mit einem Ersatz-Airbus war nicht möglich. Also reisten Merkel und ein kleiner Teil ihrer ursprünglichen Delegation am frühen Freitagmorgen über Madrid per Linienflug nach Buenos Aires.

Doch der Linienflug bleibt bei führenden Politikern stets die Ausnahme. So reisen die Staatsoberhäupter:

• Deutschland

«Konrad Adenauer» heißt der Airbus A340-313X der Bundesregierung. Dank seiner zusätzlichen Tanks schafft er Distanzen bis 13.500 Kilometer. Für kürzere Reisen stehen Angela Merkel einige kleinere Maschinen sowie ein Helikopter zur Verfügung. Die «Adenauer» verfügt über komplett schallisolierte Kabinen für Verhandlungen.

Fassungsvermögen: bis zu 143 Passagiere.

Kosten: 264 Millionen Euro.

• USA

«Air Force One» ist eines der exklusivsten und bestausstaffierten Flugzeuge der Welt. Die Boeing 747-200 mit der Flugnummer AF1 beinhaltet ein Großraumbüro mit 80 Telefonleitungen und eine Arztpraxis mit zwei Operationstischen. Donald Trump besitzt daneben noch eine eigene Boeing 757, auf der sein Nachname prangt, doch als Präsident fliegt er stets in der «Air Force One». Das Flugzeug existiert zweifach – zu Ersatzzwecken und aus Ablenkungsgründen. Die Tage der Maschinen sind gezählt, die US-Regierung hat angekündigt, für das kommende Jahrzehnt zwei 747-8 als neue Air Force One umzurüsten.

Fassungsvermögen: 70 Passagiere und 26 Crewmitglieder.

Länge: über 70 Meter lang.

Kosten: angeblich 880 Millionen Euro.

• Großbritannien

Theresa May reist in einem Airbus A330-200 der Royal Air Force (RAF). Dieser Flugzeugtyp wird primär als Tanker eingesetzt, das andere Maschinen im Flug auftankt. Die britische Regierung hat 58 Sitze und ein Raketenabwehrsystem einbauen lassen sowie Technik zur verschlüsselten Kommunikation. Bis 2016 reisten die britischen Staatsoberhäupter noch per Charterflug, was sich als kostspieliger herausstellte. Wenn die A330 Voyager nicht vom Staatsoberhaupt genutzt wird, fliegt sie noch immer Tank-Einsätze.

Fassungsvermögen: rund 100 Economy-Sitze.

Kosten 250 Millionen Euro.

Die Königsfamilie um Queen Elizabeth II. hat ihre eigene Flotte.

• Italien

Italiens Airbus A340-500 ist im Besitz der Fluglinie Etihad, die der Regierung von Abu Dhabi gehört. Seit 2016 mietet die italienische Regierung den Jet für jährlich rund 13 Millionen Euro, wie italienische Zeitungen recherchiert haben. Angeblich ist das On-Board-Unterhaltungsangebot nach wie vor in arabischer Sprache installiert. Dafür ist der offizielle Flugzeugname sehr geglückt: Die Maschine ist als «I-TALY» registriert.

• Frankreich

Seit neun Jahren setzt Frankreich einen Airbus A330-200 ein. Die Maschine ersetzte einen Airbus A319, der 2009 nach einem einseitigen Motorenaussetzer notlanden musste.

Kosten: 238 Millionen Euro.

• Russland

Weder Boeing noch Airbus: Russlands Staatsoberhaupt fliegt in einer Iljuschin Il-96-300PU aus der Sowjetzeit. Das «PU» im Namen steht dabei nicht für Putin, sondern für das russische Wort für Kommandozentrale: «Punkt Uprawlenija». Die Maschinen dieses Typs waren nur bei Aeroflot und Cubana im kommerziellen Einsatz, dürfen sich aber rühmen, die sichersten Großraumflugzeuge zu sein. Putins Flugzeug hat neben Büros und Schlafzimmern auch ein voll ausgestattetes Fitness-Center an Board.

Fakten: 65 Meter lang, 270 Tonnen schwer, 440 Millionen Euro teuer.

• Mexiko

Die mexikanische Regierung konnte von Boeing eine der ersten 787-8 als Schnäppchen ergattern. Der sechste je gebaute «Dreamliner» litt noch unter zu großem Gewicht, was ihn für die kommerzielle Luftfahrt weniger attraktiv machte. Statt 194 Millionen Euro sollen die Mexikaner nur 110 Millionen bezahlt haben.

• Vereinigte Arabische Emirate

Die Abu-Dhabi-Amiri-Flotte, die für die königliche Familie sowie hohe Beamte zur Verfügung steht, besteht aus sieben VIP-Jets. Darunter eine 747-8BBJ, die ohne Innenausstattung und Sicherheitsausrüstung bereits 309 Millionen Euro gekostet hat. Die komplette Flotte von Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani soll einen Wert von 1,3 Milliarden Euro haben.

• Nordkorea

Ki Jong-un reist in einer Iljuschin Il-62M. Sanktionen verbieten Nordkorea den Import von europäischen und amerikanischen Flugzeugen, weshalb dieses russische Modell zum Einsatz kommt. In einem Video von 2015 posierte der nordkoreanische Führer mitten im Flug im Cockpit der Maschine.

• Japan

Der Inselstaat besitzt zwei imposante Boeing 747-400, je eines für den Kaiser und den Ministerpräsidenten.

Kosten: Die beiden Flugzeuge sollen für rund 529 Millionen Euro erworben worden sein.

• Luxemburg

Als kleines europäsches Land besitzt Luxemburg keine eigene Regierungsflotte. Staatsoberhaupt Großherzog Henri und Mitglieder der Regierung nutzen Linienflüge oder gemieteten Privatmaschinen für Termine im Ausland. Zudem bieten ausländische Regierungen den Luxemburgern manchmal «Mitfahrgelegenheiten» an: So durfte beispielsweise Jean Asselborn 2015 im deutschen Regierungsflieger Platz nehmen.

• Und zum Schluss:

«Ed Force One» ist zwar kein Regierungsflugzeug, dafür aber sonst eine Institution: Die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden reiste in dieser Boeing 747-400 um den Globus, mit Sänger Bruce Dickinson als Pilot. Im Juni 2016 war die Maschine auf dem Flughafen Zürich zu bewundern. Daneben standen die Flugzeuge, mit denen Angela Merkel und der damalige französische Präsident François Hollande angereist waren. Ein lustiger Größenvergleich, wie ein Spiegel-Reporter auf Twitter feststellte:

(L'essentiel/mat)

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