United-Debakel – So lässt sich mit einem Shitstorm Geld verdienen
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United-DebakelSo lässt sich mit einem Shitstorm Geld verdienen

Die Aktie von United ist im Sinkflug. Grund ist der nach wie vor anhaltende Shitstorm. Doch auch mit sinkenden Kursen lässt sich Geld verdienen.

Die Szene, wie Polizisten mit Gewalt einen Passagier der Airline United aus dem Flugzeug zerren, hat im Internet einen Shitstorm ausgelöst (siehe Video oben). Auf Twitter sorgte die Polizeigewalt für Entsetzen. Weltweit kam es zu Boykott-Aufrufen unter den Hashtags #boycottunited und #boycottunitedairlines.

Auch auf die Börse hatte der Shitstorm Auswirkungen. Nach einem kurzen Höhenflug stürzte die United-Aktie am Dienstag ab. So fiel sie am Dienstag direkt nach Handelsbeginn unter die 70-Dollar-Marke. Die Website MarketWatch rechnet damit, dass die Aktie fünf Prozent verlieren und die Airline rund eine Milliarde Dollar an Wert verlieren dürfte. Gerade für Investoren wie Warren Buffet, der selbst große Anteile an United hält, würde dies große Verluste nach sich ziehen.

Wie kann man mit Kursverlusten Geld verdienen?

Doch nicht für alle Investoren bedeutet ein solcher Shitstorm Verluste. Wie ein Brancheninsider erklärte, machten einige Anleger mit Wetten auf sinkende Kurse der United-Aktien sehr viel Geld. Doch wie ist das überhaupt möglich?

Grundsätzlich können auch private Anleger auf fallende Kurse setzen. Profis tun dies schon lange und nennen dies «short gehen». Ein klassisches Beispiel hierfür sind sogenannte Leerverkäufe. Bei diesen verkauft ein Anleger Wertpapiere, die er zum Zeitpunkt des Verkaufs selbst gar nicht besitzt. Stattdessen hat er sie sich nur ausgeliehen. Grund: Der Leerverkäufer hofft, die von ihm bereits weiterverkaufte Aktie selber später zu einem tieferen Preis kaufen zu können.

Leerverkäufer können Gewinn machen

Wenn der Kurs der Aktie dann – zum Beispiel aufgrund eines Shitstorms wie im Fall von United Airlines – tatsächlich sinkt, macht der Leerverkäufer einen Gewinn. Nämlich die Differenz zwischen seinem Verkaufspreis, der ja einem alten, höheren Kurs der Aktie entsprach, und seinem Kaufpreis. Dieser wiederum ist aufgrund des Shitstorms nun tiefer. Von seinem Gewinn muss der Anleger aber noch die Gebühren für die Verkäufe abziehen.

In den vergangenen Jahren kamen immer mehr Finanzprodukte auf den Markt, die es auch Privatanlegern ermöglichen, auf fallende Kurse zu wetten. Zu nennen wären beispielsweise sogenannte Put Warrants, Mini-Futures oder Short-ETFs. Bei Letzten handelt es sich um Fonds, die einen Börsenindex abbilden. Das kann zum Beispiel der deutsche DAX sein. Die Short-ETFs setzen darauf, dass gleich der ganze Leitindex sinkt.

Ruf ist nicht sonderlich gut

Gerade Leerverkäufe haben oftmals keinen besonders guten Ruf, da sie als risikoreich gelten. Während der Finanzkrise wurden sie in gewissen Ländern von Regulatoren eingeschränkt oder zum Teil gar verboten. In der Vergangenheit schimpfte beispielsweise auch schon Swatch-Chef Nick Hayek gegen Leerverkäufe und nannte sie Spekulationen. Seiner Meinung nach schaden sie seriösen Aktionären, die längerfristig in eine Firma investieren wollen.

Überhaupt gilt laut Experten, dass das Setzen auf fallende Kurse sehr schwierig ist – auch wenn es im ersten Moment einfach klingen mag. Nur erfahrenere Börsianer sollten sich ans Short-Trading heranwagen. Denn: Das Risiko, auf einen Schlag sehr viel Geld zu verlieren, ist sehr groß. Die spezielle Konstruktion der verschiedenen Anlageinstrumente bringt es außerdem mit sich, dass sie sich oft nicht so entwickeln, wie Investoren es erwarten. (kwo)

(L'essentiel)

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