Fernand Etgen – So reagiert der Minister auf die Bauern-Proteste

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Fernand EtgenSo reagiert der Minister auf die Bauern-Proteste

LUXEMBURG - Die Landwirte rebellieren seit Wochen gegen die fallenden Marktpreise. Agrarminister Etgen reagiert im Interview auf die Proteste.

«Hilfen reichen nicht aus»: Landwirtschaftsminister Fernand Etgen wird bei einem Besuch in Kalborn von einem aufgebrachten Bauern bedrängt.

«Hilfen reichen nicht aus»: Landwirtschaftsminister Fernand Etgen wird bei einem Besuch in Kalborn von einem aufgebrachten Bauern bedrängt.

DPA/Julien Warnand

500 Millionen Euro als Tropfen auf dem heißen Stein: Das EU-Notprogramm hat viele der Landwirte, die am Dienstag auf dem Kirchberg demonstriert haben, angesichts der aktuellen Milchkrise nicht zufrieden gestellt. Der Luxemburger Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP) zeigt im Interview mit L'essentiel Verständnis für die Sorgen der Bauern.

«Ich bin mir bewusst, dass es vor allem den Milchbauern gerade fürchterlich geht. Auch die Europäische Union weiß um die Probleme. Der Europäische Rat für Landwirtschaft wurde seit dem 26. Juli vorbereitet, also ganz am Anfang der Krise», sagt Etgen, der die Sitzungen des EU-Ministerrats leitet.

«Besser als nichts»

«Der Milchmarkt ist global, das heißt, dass alle Länder davon betroffen sind», erinnert der Minister. In Luxemburg sind die Milchpreise innerhalb von wenigen Monaten um 20 Prozent gefallen. «Das ist einer der größten Rückgänge unter den entwickelten Ländern.» Darüber hinaus hätten die Luxemburger Bauern 2014/2015 wegen der Überschreitung der Erzeugungsquoten Strafzahlungen in Höhe von 5,3 Millionen Euro an die EU leisten müssen. Seit 1. April ist die Milchquote nun Vergangenheit.

Die am Dienstag von der EU angekündigten Hilfsmaßnahmen, von denen 700.000 Euro an Luxemburger Bauern gehen sollen, helfen notleidenden Betrieben bei weitem nicht, wie Fredy de Martines vom Milchbauernverband LDB zu L'essentiel sagte. «Es ist eindeutig nicht genug, aber besser als nichts», antwortet Minister Etgen. Der Ressortchef weist daraufhin, dass den Bauern während der letzten Milchkrise 2009 nur 600.000 Euro ausbezahlt wurden.

Milch für Flüchtlinge

Die EU-Staaten können frei entscheiden, welche Bauern unter welchen Bedingungen von den Hilfsgeldern profitieren können. «Die Verteilung des Gelds wird bei einem Treffen zwischen der Regierung, Experten aus dem Agrarsektor und den Gewerkschaften am nächsten Dienstag debattiert», sagt Etgen.

Der DP-Politiker erinnert daran, dass die finanzielle Unterstützung nur eine von vielen vereinbarten Maßnahmen sei. Die europäischen Minister einigten sich zudem auf stärkere finanzielle Anreize für die Lagerung von Produkten. Außerdem sollen Landwirte ihre ohnehin geplanten Zuschüsse aus dem EU-Budget zu einem Großteil früher erhalten als normalerweise. Die EU-Kommission plant darüber hinaus, dass Milchprodukte an Flüchtlinge verteilt werden sollen.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

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