Fragen und Antworten – So schützt man sich vor dem iPhone-Tracking

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Fragen und AntwortenSo schützt man sich vor dem iPhone-Tracking

LUXEMBURG - Apple-Geräte zeichnen auf, wo sich ihr Besitzer befindet. «L'essentiel Online» erklärt, wie man der Bespitzelung vorbeugen kann und warum Luxemburger Nutzer im Vorteil sein könnten.

Die Datensammelwut von Apple ist ein offenes Geheimnis. Doch das wahre Ausmaß und die möglichen Gefahren, die davon ausgehen, sind der Öffentlichkeit kaum bekannt. Der «Guardian» hatte publik gemacht, dass iPhone- und iPad-Besitzer ausspioniert werden können. Denn die Geräte speichern fortlaufend den Aufenthaltsort des Nutzers - und legen die sensiblen Daten in einer unverschlüsselten Datei ab.

Nicht nur Geo-Daten werden gespeichert. Offenbar werden auch Daten aus dem Fotoapparat des iPhones gesichert, weiß Pierre Weimerskirch von der Luxemburger Datenschutzkommission CNPD.

Apple selbst greift zwar derzeit nicht auf die lokale Datenbank zu. Übers Internet kann jedoch ein kostenloses Tool namens «iPhone Tracker» heruntergeladen werden, dass die heimlich gespeicherten Daten aufspürt und sichtbar macht.

Welche Geräte sind betroffen?

Betroffen sind iPhone und iPad mit 3G-Funktion, also Geräte, die eine Sim-Karte haben und eine Verbindung ins GSM- oder UMTS-Mobilfunknetz herstellen können. Außerdem muss eine aktuelle Version des mobilen Betriebssystems iOS (ab 4.0) installiert sein. Betroffen sind aber auch sämtliche Computer, auf denen per iTunes ein Backup durchgeführt wird. Sobald man das iPhone oder iPad zum Synchronisieren anschließt, wird auch die besagte Datenbank namens «consolidated.db» übertragen.

Darf Apple das überhaupt?

Um ein Apple-Gerät nutzen zu können, muss man die von Apple diktierten Bestimmungen akzeptieren. In der Datenschutz-Richtlinie des Unternehmens findet sich ein entsprechender Passus. Demnach darf Apple «präzise Standortdaten» erheben, nutzen und weitergeben, einschließlich des «geografischen Standorts Ihres Apple-Computers oder Geräts in Echtzeit».

Welches Interesse hat Apple an den Daten?

Luxemburger Datenschützer vermuten, dass Apple sich den Zugriff auf die Daten sichert, um daraus Ideen für neue Applikationen zu entwickeln.

Was ist schlecht daran?

Informationen über den Aufenthaltsort gehören zu den sensibelsten persönlichen Daten überhaupt. Anhand dieser Geodaten lässt sich herausfinden, wo der Geräte-Besitzer zu einem bestimmten Zeitpunkt war. Mobilfunk-Anbieter speichern bekanntlich die gleichen Informationen, geben diese aber nur gegen einen richterlichen Beschluss heraus.

Im Gegensatz dazu sind die Daten auf dem Apple-Geräten praktisch ungeschützt verfügbar, weil sie von Haus aus unverschlüsselt gespeichert sind. So können sich Drittpersonen Zugriff verschaffen und das Opfer ausspionieren - was eine massive Verletzung der Persönlichkeitsrechte bedeutet.

Jedoch muss man mich schon ein wenig mit Daten-Tracking auskennen, um die Wege eines iPhones-Nutzers wirklich auspionieren zu können, meint Pierre Weimerskirch von der CNPD.

Wie kann man sich vor dem Ausspionieren schützen?

Forscher und Datenschützer empfehlen, ein Passwort zu benutzen. Zudem sollte das von iTunes angelegte Backup der iPhone- und iPad-Daten zu verschlüsseln. Dazu gilt es in iTunes die Option «iPhone-Backup verschlüsseln» respektive «iPad-Backup verschlüsseln» anzuwählen. Anschließend wird man aufgefordert, ein persönliches Passwort einzugeben. Dieser Schutz gilt aber nur für den Rechner, auf dem das Backup ist.

Kann man das Tracking abschalten?

Fest steht auf jeden Fall: Das Ausschalten der GPS-Funktion hilft nicht, denn das Gerät bestimmt den Standort über das Mobilfunknetz. Beim sogenannten Triangulationsverfahren peilt das Gerät mehrere GSM-Antennen in der Nähe des Nutzers an.

Mittlerweile gibt es angeblich eine einfache Lösung, wie man das Tracking auf dem iPhone und iPad unterbinden kann. Demnach soll es genügen, die Website oo.apple.com mit dem iPhone oder iPad aufzurufen. Daraufhin erscheint die Meldung «You Have Successfully Opted Out.»

Wie chip.de berichtet, werden die schon gespeicherten Geodaten dadurch nicht gelöscht - die Datei mit den alten Einträgen lagere weiterhin im Smartphone. Im Netz kursieren aber auch Rückmeldungen von Usern, dass die versteckte Geodaten-Datei leer sei, nachdem sie das oben beschriebene «Opt-Out» durchgeführt hatten.

dsc/sb/jmh/L'essentiel Online mit 20min.ch

Ist Luxemburg im Vorteil?

Für den Luxemburger Datenschützer Pierre Weimerskirch hat das Großherzogtum einen Standortvorteil. iTunes hat seinen Europasitz in Luxemburg - die Datenschutzbestimmungen unterliegen also den im Land gültigen Gesetzen. In der kommenden Woche will die Nationale Datenschutzkommission CNPD mit den Apple-Verantwortlichen Kontakt aufnehmen, um über mögliche Lücken im Schutz der persönlichen Daten zu sprechen.

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