In Luxemburg – So sieht ein Obduktionsraum von innen aus
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In LuxemburgSo sieht ein Obduktionsraum von innen aus

DÜDELINGEN – Gerichtsmedizinerin Martine Schaul gewährte L'essentiel einen Blick hinter die Kulissen ihres Berufs im Laboratoire National de Santé (LNS).

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Gerichtsmedizinerin Martine Schaul gewährte <i>L'essentiel</i> einen Blick hinter die Kulissen ihres Berufs im Laboratoire National de Santé (LNS).

Gerichtsmedizinerin Martine Schaul gewährte <i>L'essentiel</i> einen Blick hinter die Kulissen ihres Berufs im Laboratoire National de Santé (LNS).

L'essentiel
Die Gerichtsmedizinabteilung des LNS wurde 2014 gegründet. Drei Jahre später tritt die in Deutschland ausgebildete Luxemburgerin als Gerichtsärztin in die Abteilung ein.

Die Gerichtsmedizinabteilung des LNS wurde 2014 gegründet. Drei Jahre später tritt die in Deutschland ausgebildete Luxemburgerin als Gerichtsärztin in die Abteilung ein.

L'essentiel
 Im Düdelinger Labor werden jährlich rund 100 Leichen untersucht – unter anderem Verkehrstote sowie Mordopfer.

Im Düdelinger Labor werden jährlich rund 100 Leichen untersucht – unter anderem Verkehrstote sowie Mordopfer.

L'essentiel

CSI: Den Tätern auf die Spur, Rizzoli & Isles: Das sind einige der zahlreichen Fernsehserien, die beim Publikum das Interesse für mit dem Tod verbundene Berufe bedient. Darin fehlt es auch nicht an Szenen, in denen am Todesort nach Spuren gesucht wird und Leichen untersucht werden. Genau damit beschäftigt sich Dr. Martine Schaul am Laboratoire National de Santé (LNS). Sie gewährte L'essentiel einen Blick in einen Obduktionsraum.

Die Gerichtsmedizinabteilung des LNS wurde 2014 gegründet. Drei Jahre später tritt die in Deutschland ausgebildete Gerichtsärztin aus Luxemburg in die Abteilung ein. Seither wechselt sie ständig zwischen ihrem Büro und dem Obduktionsraum. Im Düdelinger Labor werden jährlich rund 100 Leichen untersucht – unter anderem Verkehrstote sowie Mordopfer.

Messer, Skalpelle, Pinzetten, Scheren

Innerhalb von zehn Jahren hat Schaul knapp 700 Leichen sowohl in Deutschland als auch in Luxemburg untersucht. «Die Obduktion wird nur bei unklaren oder gewaltsamen Todesfällen durchgeführt», erklärt die Gerichtsmedizinerin. Diese wird von der Staatsanwaltschaft beim Untersuchungsrichter angeordnet.

Im Obduktionsraum im LNS stehen zwei Tische mit Overhead-Beleuchtung, auf denen die Leichen Platz finden. Daneben befindet sich ein Abstelltisch mit Messern, Skalpellen, Pinzetten und Scheren, die uns Schaul einzeln vorlegt.

«Ein leichter Geruch»

Weiter geht es in den Kühlraum, wo die Leichen aufbewahrt werden. «Hier sieht es genau so aus, wie im Kino», erklärt sie beim Öffnen einer der insgesamt 18 Kühlzellen. «Es geht zwar immer ein leichter Geruch davon aus, aber meistens nimmt man ihn gar nicht mehr wahr», sagt sie. Bei fortgeschrittener Verwesung hingegen sei der Geruch jedoch viel stärker.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird bei jedem Verstorbenen ein PCR-Test durchgeführt. Ist dieser positiv, so kann dies die Obduktion verzögern. Auf diese Weise konnten zwischen fünf und zehn Fälle festgestellt werden. «Nach dem Tod eines Menschen wird das Ansteckungsrisiko zwar immer geringer, doch nicht unmittelbar», sagt die Expertin. Die Durchschnittsdauer einer Obduktion beträgt zwischen einer und vier Stunden.

PCR-Test

In der Realität verlaufe eine Obduktion jedoch anders als im Kino. Die Gerichtsmedizinerin stehe dementsprechend zur Untersuchung einer Leiche nie allein davor, sondern arbeite immer im Team. «Wir versuchen immer, zu zweit zu sein, um die beste Qualität zu gewährleisten und sicherzustellen, dass nichts übersehen wurde», sagt sie. (Anm. d. Red.: In der Abteilung arbeiten insgesamt drei Gerichtsmediziner). Das ist der beste Weg, die Todesursache und Umständen zu klären.

Postmortale Untersuchungen stellen jedoch nicht den Großteil ihrer Arbeit dar. Schaul untersucht nämlich auch lebendige Opfer: Sie beurteilt die erlittenen körperlichen Verletzungen bei Voll- und Minderjährigen. Die Experten erstellen dadurch die Dokumentation für Personen, die keine polizeiliche Anzeige erstatten wollen. Außerdem führt die Gerichtsmedizinerin Schulungen für Polizisten und Feuerwehrleute durch, die sich mit dem Auffinden von Leichen befassen.

Distanz zur Familie des Verstorbenen

Was die meisten Menschen als einen außergewöhnlichen Beruf betrachten ist für Schaul nur Alltag. Außerdem ermögliche das bei einer Obduktion verfolgte Protokoll, «eine gewisse Distanz» zu Gefühlen, so die Expertin.

«Normalerweise treten wir mit der Familie nicht in Kontakt. Wir bekommen keinen Eindruck von dem Opfer, als es noch lebte. Wir folgen einfach unserem Protokoll. Das schützt uns vor der Trauer der Familie und der Tragödie, die dahinter steckt», erklärt sie. Auch wenn es immer wieder Fälle gibt, die einem nicht loslassen», sagt Schaul.

(Marine Meunier/L'essentiel)

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