Explosion in China – «So stellt man sich eine nukleare Explosion vor»

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Explosion in China«So stellt man sich eine nukleare Explosion vor»

Ein großer Feuerball und eine riesige Rauchwolke stehen über der Stadt. Neben mindestens 44 Toten gibt es durch die Detonationen in der Hafenstadt Tianjin Hunderte Verletzte.

An injured man walks out with other residents from an area near the site of a series of explosions in Tianjin, northern China on August 13, 2015. A series of massive explosions at a warehouse in the northern Chinese port city of Tianjin killed 17 people, state media reported August 13, as witnesses described a fireball from the blasts ripping through the night sky. AFP PHOTO / GREG BAKER

An injured man walks out with other residents from an area near the site of a series of explosions in Tianjin, northern China on August 13, 2015. A series of massive explosions at a warehouse in the northern Chinese port city of Tianjin killed 17 people, state media reported August 13, as witnesses described a fireball from the blasts ripping through the night sky. AFP PHOTO / GREG BAKER

AFP/Greg Baker

Mehrere Stunden nach den gewaltigen Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ist die Zahl der Todesopfer auf 44 gestiegen. Unter den Opfern befinden sich laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua auch 12 Feuerwehrleute. Über 500 Menschen wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht, Dutzende schweben in Lebensgefahr. Laut Staatsmedien ist das Feuer mittlerweile unter Kontrolle, aber noch nicht gelöscht.

Ein Lastwagenfahrer, der die Explosion in der Schlafkoje seines Lastwagens miterlebte schildert seine Gedanken, nach der zweiten Explosion: «So stellt man sich eine nukleare Explosion vor. Jedenfalls hat man uns immer erzählt, dass das so aussehen würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals so etwas sehen würde. Es war furchteinflößend und gleichzeitig bizarr schön.»

Laut dem Staatssender CCTV wurde die Feuerwehr der nordostchinesischen Stadt am Mittwochabend wegen eines Feuers in ein Hafenlager mit gefährlichen Chemikalien gerufen.

Container ging in die Luft

Die Polizei teilte mit, eine erste Explosion habe sich am Mittwochabend in Schiffscontainern eines Lagers für Gefahrengüter ereignet. Das Lager gehört dem Logistikunternehmen Ruihai Logistics.

Die staatlichen Medien sprachen davon, dass Führungskräfte von Ruihai von den Behörden festgenommen worden seien. Präsident Xi Jinping forderte demnach harte Strafen für diejenigen, die für die Explosionen verantwortlich seien.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, ein Container mit Sprengstoff sei in die Luft geflogen. Unklar ist die Ursache. Ein halbes Dutzend Gebäude anderer Logistikunternehmen wurden durch die Detonationen zerstört, mehr als 1000 neue Autos des Fahrzeugherstellers Renault gingen laut «Beijing News» auf einem Parkplatz in Flammen auf.

Feuer unter Kontrolle

Das Nationale Erdbebenamt sprach von zwei großen Explosionen vor Mitternacht, die erste gleichbedeutend mit einer Sprengkraft von drei Tonnen TNT, die zweite gar von 21 Tonnen.

CCTV berichtete, sechs Bataillone von Feuerwehrleuten hätten das Feuer unter Kontrolle gebracht, auch wenn es noch brenne. Die Einsatzkräfte würden die Umgebung nach weiteren Verletzten absuchen.

«Beinahe bewusstlos geworden»

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass noch drei Kilometer vom Explosionsort entfernt zersprungene Fensterscheiben zu sehen waren. Auch Stunden nach den Explosionen stiegen dichte Rauchsäulen über dem Unglücksort auf. «Ich hörte eine erste Explosion und alle liefen hinaus, dann gab es eine Reihe weiterer Explosionen, Fensterscheiben zersprangen und eine Menge Leute, die drinnen waren, wurden verletzt und rannten blutend hinaus», sagte der 27-jährige Anwohner Huang Shiting AFP. «Der Feuerball war riesig, vielleicht sogar hundert Meter groß», berichtete er.

Laut «Bejing News» suchten allein in einem Krankenhaus von Tianjin zwischen 300 und 400 Verletzte Hilfe. Der Mitarbeiter einer anderen medizinischen Einrichtung sagte demnach, es seien zu viele Patienten, um sie zu zählen. Der 50-jährige Zhang Hongjie der mit bandagiertem Kopf im TEDA-Krankenhaus in der Nähe des Explosionsort saß, sagte: «Die Explosion war schrecklich und ich bin fast bewusstlos geworden.»

China kontrolliert Informationsfluss

Die chinesischen Behörden versuchen nun, die Kontrolle über Informationen vom Unglücksort zu gewinnen. Mit Absperrseilen sorgte die Polizei am Donnerstag dafür, dass Journalisten und Zuschauer nicht dichter als einige Kilometer an die Explosionsstelle herankamen. Auf dem in China populären Kurznachrichtendienst Weibo beschwerten sich etliche Nutzer, dass ihre Posts über die Detonationen gelöscht worden seien.

Tianjin liegt rund 140 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Peking. Eine Schnellbahnstrecke verbindet die beiden Städte in nur 30 Minuten. Mit knapp 15 Millionen Einwohnern ist Tianjin eine der größten Städte des Landes. Sie ist ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum und zählt mit Peking, Shanghai und Chongqing zu den vier Städten Chinas, die den Status einer Provinz genießen.

In China gibt es immer wieder Explosionen in Industrieanlagen: Erst im Juli kamen 15 Menschen ums Leben, während mehr als ein Dutzend weitere verletzt wurden, als in der nördlichen Provinz Hebei ein illegales Lagerhaus für Feuerwerkskörper in die Luft flog. Vor einem Jahr starben zudem mehr als 70 Menschen bei einer Explosion in einer Autoteilefabrik in Kunshan bei Shanghai. Grund für die Unglücke sind oft mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und laxe Kontrollen durch die Behörden.(L'essentiel/fal)

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