Studie – So teuer ist das Leben für Luxemburger Studenten
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StudieSo teuer ist das Leben für Luxemburger Studenten

LUXEMBURG - Das Aktionskomitee 6670 präsentiert eine Studie über die Lebenssituation der Luxemburger Studierenden. Die wichtigsten Daten im Überblick.

DPA

Was kostet das Leben für Luxemburger Studierende? Diese Frage wollte das Aktionskomitee 6670, das seit Monaten gegen die geplante Stipendienreform auf die Barrikaden geht, genauer beantwortet wissen. Seit Freitag liegen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage vor, die in Kooperation mit dem Centre Information Jeunes durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 1'614 Befragte an der Studie teil, das sind rund zehn Prozent aller Studierenden aus Luxemburg.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie im Überblick:

90 Prozent der Studierenden geben an, dass das aktuelle System eine gute Lösung ist, um junge Menschen zum Studium zu ermutigen.

Studierende, die bei den Eltern wohnen, geben im Schnitt 430 Euro pro Monat aus. Jene, die nicht mehr zuhause wohnen, müssen Ausgaben von 970 Euro tragen.

Gut ein Drittel (37 Prozent) der Studierenden kommt ohne finanzielle Unterstützung der Eltern aus. Die Mehrheit finanziert sich ihr Studium über Beihilfen, den CEDIES-Kredit oder durch einen Nebenjob während und außerhalb der Vorlesungszeit.

Nur 16 Prozent der Studierenden leben noch bei den Eltern. Die meisten wohnen in einer WG (32 Prozent), in einer Wohnung bzw. Studio (44 Prozent), seltener im Studentenwohnheim (acht Prozent).

Fast die Hälfte (41 Prozent) der Befragten befürchtet, die eigenen Eltern könnten (durch die Reform, Anm.) an Einfluss auf die Studienwahl und den Studienverlauf gewinnen, wenn sie finanziell abhängiger von den Eltern werden.

In Bezug auf die Gesamtausgaben von Studierenden zeigen sich länderspezifische Unterschiede: Die Schweiz ist das teuerste Land für Studierende zum Leben, Deutschland das günstigste. Die Studienbeihilfe für Luxemburger sei aber trotzdem überall gleich hoch, kritisiert das Komitee.

Die Mehrheit der Eltern der Studierenden hat selbst keinen Universitätsabschluss (61 Prozent). In nur 17 Prozent aller Fälle haben beide Elternteile studiert.

Studierende in und aus Luxemburg haben öfter als ihre europäischen Kollegen bereits einmal das Studium abgebrochen und wechselten öfter die Universität und/oder das Studienfach.

Wer reiche Eltern hat, studiert eher im Ausland: Von denjenigen Studierenden, deren Eltern unter 2'000 Euro pro Monat verdienen, studieren 30 Prozent in Luxemburg. Von denjenigen, deren Eltern 7'701 Euro bis 9'600 Euro/Monat verdienen, studieren aber nur 13 Prozent in Luxemburg.

Die geplante Einführung einer «Bourse de Mobilité» trifft laut dem Aktionskomitee eher Studierende aus sozial schwächeren Schichten. Weil die Vergabe dieses Zuschusses an das Bezahlen einer Miete sowie an das Verlassen des Landes gekoppelt ist, ergibt sich eine problematische Situation für diejenigen, die nicht mehr im Elternhaus wohnen, aber im selben Land studieren. Diese Studierenden haben kein Anrecht auf die «Bourse de Mobilité» und müssen nun mit 2'000 Euro weniger im Jahr auskommen. Kritik gibt es auch an der Sozialbörse, deren Maximalhöhe an das Familieneinkommen gekoppelt ist. Diese käme nur 5,3 Prozent der Studierenden zu Gute. Die Regierung rechnete jedoch mit fast dem doppelten Wert.

«Erfolgreiches Modell nicht abschaffen»

Die Studenten fordern nun Konsequenzen aus der Umfrage ein: Demnach müssten die Ergebnisse der Studie gründlich analysiert und Folgestudien lanciert werden. Die Regierung wurde erneut aufgefordert, die Studienbeihilfenreform auszusetzen. Viel Aussicht auf Erfolg haben diese Forderungen jedoch nicht. Bereits im Vorfeld hatte Staatssekretär Marc Hansen die Repräsentativität der Studie angezweifelt.

Das Aktionskomitee warnt davor, «ein eventuell sehr erfolgreiches Modell ohne Überprüfung und ohne Wissen über Vor- und Nachteile komplett abzuschaffen» und ab Herbst ein «blindes Experiment mit 25'000 Studierenden zu starten». Die Studienbeihilfen-Reform sei weder bedarfsorientiert noch sozial gerecht und gefährde die Unabhängigkeit der Studierenden. Dies habe sich in den Ergebnissen der Umfrage klar gezeigt.

(L'essentiel/jt)

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