Massaker in Syrien – So will die Welt auf den Giftgas-Angriff reagieren

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Massaker in SyrienSo will die Welt auf den Giftgas-Angriff reagieren

Nach dem mutmaßlichen Giftgas-Einsatz in Syrien laufen die Drähte zwischen den Staatschefs dieser Welt heiß. Fieberhaft wird über eine mögliche Reaktion beraten.

Die internationale Gemeinschaft ist sich einig: Nach dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff in der syrischen Region Ghuta nahe Damaskus am 21. August 2013 darf die Welt nicht wegschauen. Die grausamen Bilder von Hunderten qualvoll sterbenden Kindern, Frauen und Männern erfordere eine schnelle Reaktion. Doch der Machthaber Baschar al-Assad weist noch immer jede Schuld am Angriff von sich.

Giftgas-Experten der UNO sind nach dem Okay Syriens für eine Inspektion unterwegs nach Syrien. Am Montag nehmen sie ihre Arbeit auf. «Jede Stunde zählt, wir können uns keine weiteren Verzögerungen mehr leisten», sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. «Die Welt schaut auf Syrien.» Verschiedene Staaten haben bereits eine «Antwort» auf den mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatz angedroht. Ein Überblick.

Vereinigte Staaten von Amerika:

Die USA sind nach eigenen Angaben für jede mögliche Reaktion vorbereitet. Auch eine militärische Intervention ist denkbar. Sollte sich Präsident Barack Obama für diese Option entscheiden, wäre nach den Worten von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bereits alles vorbereitet. Obama hatte einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien einst als «rote Linie» bezeichnet. Zum mutmaßlichen Giftgas-Angriff vom 21. August äußerte er sich bislang aber betont zurückhaltend. Er sprach unter anderem mit Frankreichs Präsident François Hollande und seinem britischen Amtskollegen David Cameron über «mögliche Antworten» auf die Ereignisse in Syrien.

Frankreich:

Der französische Präsident François Hollande sieht ein «Bündel Belege» dafür, dass es am 21. August einen Chemiewaffeneinsatz bei Damaskus gegeben hat. Gemäß dem Elyséepalast deutet alles darauf hin, dass das Regime von Präsident Baschar al-Assad für den Giftgas-Angriff verantwortlich ist. Frankreich sei entschlossen, «diese Tat nicht ungestraft zu lassen». Hollande telefonierte mit dem australischen Regierungschef Kevin Rudd und will sich mi ihm bald «über die Antworten» auf den Chemiewaffeneinsatz austauschen.

Großbritannien:

Auch der britische Premier David Cameron und sein Außenminister William Hague sind nach Angaben eines Sprechers überzeugt davon, dass der Giftgas-Angriff vom Assad-Regime ausgeführt wurde. Es handle sich um einen «sehr schwerwiegenden Vorfall», heißt es aus London. Großbritannien befürchtet jedoch, dass die Belege für den Chemiewaffenangriff bereits zerstört sein könnten. Cameron habe sich mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel per Telefon über eine Reaktion der Staatengemeinschaft beraten, hiess es weiter.

Deutschland:

Alle großen deutschen Parteien haben sich gemäss Spiegel Online gegen eine militärische Intervention in Syrien ausgesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll ihrem britischen Amtskollegen Cameron aber am Telefon gesagt haben, es gebe wenig Zweifel an der Schuld des Assad-Regimes am Giftgasangriff. Sie soll Cameron zugestimmt haben, dass «ein derartiger Angriff eine entschlossene Antwort der internationalen Gemeinschaft erfordert».

Russland:

Die russische Regierung hat die Entscheidung Syriens, die Chemiewaffenexperten der UNO ins Land zu lassen, grundsätzlich begrüßt. Jedoch hat sie die USA und ihre Verbündeten vor vorschnellen Aktionen gegen Syrien gewarnt. Zunächst müssten die Ergebnisse der Chemiewaffen-Inspekteure der Vereinten Nationen abgewartet werden. Eine einseitige «Anwendung von Gewalt» gegen Syrien wäre ein Fehler, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Alexander Lukaschewitsch. Die USA und die europäischen Partner sollten kein «Wagnis» eingehen, das «katastrophale Folgen» für Syrien und die gesamte Region haben könnte. Russland ist einer der wenigen Verbündeten Syriens.

(L'essentiel Online/jbu/sda)

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