Luxemburg – «Soforthilfe kommt bei Selbstständigen nicht an»

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Luxemburg«Soforthilfe kommt bei Selbstständigen nicht an»

LUXEMBURG – Die Corona-Krise trifft Unternehmer, die ihre Arbeit komplett niederlegen müssen, besonders hart.

Giovanni Patri ist Unternehmer und Gründer der Facebook-Gruppe «Rescue Independants & Start-ups».

Giovanni Patri ist Unternehmer und Gründer der Facebook-Gruppe «Rescue Independants & Start-ups».

Das Hilfspaket, das die Regierung geschnürt hat, um die Wirtschaft zu schützen, hilft den Selbstständigen in den wenigsten Fällen. Dieser Ansicht ist jedenfalls Giovanni Patri, Geschäftsführer des Unternehmens Phoenici und Gründer der Facebook-Gruppe «Rescue Independants & Start-ups», die bereits rund 6000 Mitglieder hat. «Die Maßnahmen der Regierung entsprechen nicht den Bedürfnissen der Selbständigen», sagt Patri.

Um die Soforthilfe in Höhe von 5000 Euro zu bekommen, müssten Selbstständige, Freiberufler und kleine Firmen Hürden nehmen, die «so streng sind, dass sie am Ende bei 90 Prozent nicht ankommen werden».

«Mein Geschäft geht langsam kaputt»

Um von der Beihilfe profitieren zu können, müssen die kleinen Unternehmen weniger als zehn Angestellte haben, pro Jahr einen Umsatz von mindestens 15.000 Euro erwirtschaften und mit dem Erlass vom 18. März ihre Arbeit eingestellt haben. «Für Selbstständige, die mehrere Unternehmen besitzen, wird eine weitere Bedingung hinzugefügt: Nur ein Unternehmen kann die Beihilfe bekommen. Wenn ein Unternehmen zehn, elf oder zwölf Mitarbeiter hat, gibt es ebenfalls keine Soforthilfe», erklärt Patri.

Momentan haben unzählige Selbstständige kein Einkommen. Miete und Sozialversicherungsbeiträge müssen dennoch weiterhin gezahlt werden. «Ich habe immer noch das Recht zu arbeiten, aber ich kann keine Kunden mehr empfangen. Da ich keine Hilfe bekomme, geht mein Geschäft langsam kaputt», so Patri weiter.

Viele Selbstständige fühlten sich von den Maßnahmen der Regierung «vergessen» – Taxifahrer, Putzfrauen, Anwälte, Physiotherapeuten. Mehrere Unternehmer haben Patri mitgeteilt, dass sie gezwungen sein werden, Konkurs anzumelden. Auf Nachfrage von L'essentiel hielt das Wirtschaftsministerium fest, dass es auch andere Möglichkeiten zur Entlastung für Selbstständige gebe. Unabhängig von den Soforthilfen sei es auch ihnen möglich, den Urlaub aus familiären Gründen zu beantragen, wenn sie ein Kind unter 13 Jahren haben. Für Mitarbeiter könne man über dies auch Kurzarbeit beantragen. Wenn der Geschäftsbetrieb ganz oder teilweise eingestellt wird, könne außerdem ein Zuschuss bis zu 500.000 Euro gewährt werden, der Gehälter und Mieten decken soll.

(Marion Mellinger/L'essentiel)

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