«Meine Eltern sind doof» – Sohn von Impfgegnern kämpft für Masernimpfung

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«Meine Eltern sind doof»Sohn von Impfgegnern kämpft für Masernimpfung

Weil seine Mutter Impfgegnerin ist, musste ein Teenager in den USA bis zu seiner Volljährigkeit warten, um sich impfen zu lassen. Nun macht er sich Sorgen um seine Geschwister.

Ethan Lindenberger aus Norwalk im US-Staat Ohio hat sich kürzlich gegen sämtliche Kinderkrankheiten impfen lassen. Jahrelang hatte der Teenager mit seiner Mutter über ihre Weigerung, ihn gegen Krankheiten wie Hepatitis, Polio, Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken impfen zu lassen, gestritten. Jetzt ist Lindenberger volljährig geworden und hat sich entschieden, alle Impfungen nachzuholen.

Der 18-Jährige hatte sich Mitte November an die Online-Plattform Reddit gewandt: «Meine Eltern sind recht doof. Sie glauben, dass Impfstoffe eine Art Verschwörung der Regierung seien. Nur Gott weiß, wie ich noch am Leben bin», schrieb er. Seine Mutter Jill Wheeler sei durch Fehlinformationen im Netz beeinflusst worden. Darum wolle er nun wissen, wie er die Impfungen erhalten könne.

Mutter verbreitet alte Theorie

Die Spannungen mit seiner Mutter hätten begonnen, als er auf Social Media bemerkt habe, wie sie regelmäßig Videos und Posts der Impfgegnerbewegung veröffentlichte, sagte der Teenager der «Washington Post». Da fragte sich der Sohn, wie es um seine Freunde stand. Waren alle ungeimpft, oder war er eine Ausnahme? Und was waren das für Studien, die Jill Wheeler teilte?

Die Mutter ist der Meinung, dass bestimmte Impfstoffe Autismus bei Kindern auslösen – eine zwar weitverbreitete Theorie, die jedoch auf gefälschte Studien beruht und von der US-Gesundheitsbehörde CDC widerlegt wurde. Im Jahr 1998 hatte der britische Arzt Andrew Wakefield die Theorie mit einem Artikel im Fachmagazin Lancet ins Rollen gebracht. Wakefield stellte darin einen Zusammenhang zwischen dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln und späterem Autismus bei einer Gruppe von Kindern her. Jahre später wurde bekannt, dass der Mediziner von Eltern autistischer Kinder, die einen Impfstoffhersteller verklagen wollten, Geld bekommen hatte.

Der Teeanger ist mit seiner Sorge nicht allein

Lindenbergers Post wurde über tausendmal kommentiert. Drei weitere Teenager erzählten in den Kommentaren ähnliche Geschichten. Auch sie betrachten sich als Opfer ihrer Eltern, die ebenfalls Impfgegner sind, und wünschen sich sehnlichst eine Impfung, um gegen Krankheiten geschützt zu sein, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen können. Eine Userin, die sich als Krankenschwester ausgab, erklärte den Rat suchenden Teenagern, wie sie vorgehen müssten, um die Impfungen endlich zu erhalten.

Der Konflikt sorgt derzeit für schlechte Stimmung im Hause Lindenberger. Der Sohn hat sich zwar bei seinen Eltern dafür entschuldigt, dass er sie auf Reddit beleidigt hat, dennoch macht er sich Sorgen um seine jüngeren Geschwister im Alter von 16, 14, fünf und zwei Jahren.

Der 16-Jährige habe der Mutter mitgeteilt, dass er sich ebenfalls wünsche, geimpft zu werden. Jill Wheeler lasse das aber nicht zu, erzählt Ethan Lindenberger. Noch mehr beunruhigt ihn aber seine zweijährige Schwester, die mehreren ansteckenden Krankheiten ausgesetzt sei. «Es bricht mir das Herz, dass sie Masern bekommen und dadurch sterben könnte», sagt Lindenberger.

(L'essentiel/kle)

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