Elfenbeinküste – Soldaten schießen auf Gbagbos Bunker

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ElfenbeinküsteSoldaten schießen auf Gbagbos Bunker

Für Gbagbo wird die Lage immer ungemütlicher: Der abgewählte Präsident verschanzt sich in einem Bunker. Jetzt ist seine Residenz unter Beschuss.

Soldaten haben in der Elfenbeinküste die Residenz des umstellten abgewählten Präsidenten Gbagbo unter Beschuss genommen, ob es sich dabei um französische Soldaten oder nur um Ouattaras Truppen gehandelt hat, ist unklar. Dies teilten Vertreter Gbagbos in Paris mit. Der abgewählte Präsident hat sich in einem Bunker verschanzt.

Ein Sprecher der Ouattara-Regierung sagte, Gbagbo werde nun aus seinem Bunker «herausgeholt». Nach Zeugenberichten waren in der Umgebung der Residenz schwere Explosionen und Salven von Maschinengewehrfeuer zu hören. Auch in der Nähe des Präsidentenpalastes wurde erneut gekämpft.

Nachdem die Spitzen von Armee, Polizei und Präsidentengarde am Dienstag eine Einstellung der Kämpfe angeordnet hatten, kann sich Gbagbo nur noch auf eine kleine Gruppe loyaler Milizen stützen. Französische Regierungsvertreter hatten berichtet, es sei nur noch eine «Frage von Stunden», bis die Ära Gbagbo beendet sei.

Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo weigert sich aber nach wie vor, die Macht an seinen Rivalen Alassane Ouattara abzugeben. Gbagbo ließ Meldungen zurückweisen, er verhandle mit seinem Rivalen über einen Rückzug.

Gbagbo-Milizionäre desertieren

Angehörige von Gbagbos eigener Miliz legen immer häufiger die Waffen nieder. Augenzeugen berichteten, dass Soldaten aus seinen Einheiten in der Nacht zu Mittwoch in eine Kirche in Abidjan gegangen und dort Uniformen ausgezogen und die Gewehre abgelegt hätten.

Nach UNO-Angaben forderten zudem drei ranghohe Generäle des abgewählten Präsidenten die eigenen Milizionäre auf, das Feuer einzustellen. Kämpfer des international anerkannten Wahlsiegers Ouattara hatten nach Berichten von Diplomaten am Dienstag die Präsidentenresidenz in Abidjan eingenommen.

Forderungen der EU und der AU

Die Europäische Union und die Afrikanischen Union (AU) haben den langjährigen Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, gemeinsam zum Machtverzicht aufgefordert. «Wir stimmen überein, dass Laurent Gbagbo zurücktreten muss; dies ist der einzige Weg aus der derzeitigen Krise», hieß es in einer kurzen Erklärung, die die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und AU-Kommissionspräsident Jean Ping am Dienstagabend nach einem Treffen in Brüssel veröffentlichten.

Es müsse nun der Prozess der «Erholung» und der «Aussöhnung» unter der «Führung des demokratisch gewählten Präsidenten Alassane Ouattara» beginnen. Ouattaras Kämpfer waren zuvor bis zur Präsidentenresidenz in der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan vorgedrungen.

L'essentiel Online/20min.ch

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