Basta Mittagspause – Spanien will die Siesta abschaffen

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Basta MittagspauseSpanien will die Siesta abschaffen

Sie arbeiten viel, produzieren aber wenig: Immer mehr Spanier beklagen die mehrstündige Mittagspause, die den Arbeitstag in die Länge zieht. Das soll sich jetzt ändern.

Sweet dreams...zzz... A man naps on a stone bench while enjoying the noon sunlight in a street of Santiago de Compostela town, north-western Spain, Tuesday, March 2, 2004. The nap - or more traditionally known in Spain as a siesta - is part and parcel of daily life in Spain, particularly after a good lunch.  (KEYSTONE/EPA/Lavandeira jun.)

Sweet dreams...zzz... A man naps on a stone bench while enjoying the noon sunlight in a street of Santiago de Compostela town, north-western Spain, Tuesday, March 2, 2004. The nap - or more traditionally known in Spain as a siesta - is part and parcel of daily life in Spain, particularly after a good lunch. (KEYSTONE/EPA/Lavandeira jun.)

Keystone/Lavandeira jr

Spanien hadert mit einer alten Tradition: der Siesta. Die mehrstündige Mittagspause zieht jedoch den Arbeitstag in die Länge. Im Unterschied zum Rest Europas haben die meisten Spanier erst um 20 Uhr Feierabend. Jetzt will Premier Mariano Rajoy die Siesta abschaffen.

Die zerstückelten Arbeitszeiten hinterlassen Spuren in der Produktivität: In geleisteten Arbeitsstunden steht Spanien besser da als seine nordeuropäischen Nachbarn. Laut OECD arbeiten die Iberer 1666 Stunden pro Jahr im Durchschnitt — rund 240 Stunden mehr als Deutsche zum Beispiel. Doch blickt man auf das Produktivitätsniveau, hinken die Spanier deutlich hinterher: Statt wie in Deutschland etwa 57 Euro, erwirtschaften sie lediglich 48 Euro pro Arbeitsstunde.

Wo liegt das Problem?

Die Spanier lebten «mit der falschen Uhrzeit», warnt die Kommission zur Rationalisierung der Arbeitszeiten (Arhoe) seit Jahren. Die Angestellten kämen zwar wie im restlichen Europa am Morgen früh zur Arbeit, doch wegen der mehrstündigen Pause seien sie erst gegen 21 Uhr zu Hause. Ins Bett gehen sie wiederum erst nach Mitternacht – was dazu führt, dass Spanier im Schnitt auch rund eine Stunde pro Tag weniger schlafen als andere europäische Völker.

Alle Initiativen von Arhoe für geordnete Arbeitszeiten wurden bis anhin vom spanischen Parlament abgeblockt. Wie «Periodista Digital» berichtet, haben jetzt aber die Argumente bei der Politik Gehör gefunden — nicht zuletzt, weil die Verkürzung der Arbeitszeiten zum heißen Wahlkampfthema geworden ist. Die Abschaffung der Siesta ist Teil des «Pakts der 200 Reformen», den die Sozialisten (PSOE) zusammen mit der liberalen Partei Ciudadanos bereits im Februar verabschiedet hatten. Nun nahm auch der konservative Rajoy den Ball auf. Der Arbeitstag der Spanier solle künftig um 18 Uhr enden, meinte er am Wochenende.

Umfragen sehen Rajoy als möglichen Gewinner

Für Ministerpräsident Rajoy sieht es allerdings im Fall von Neuwahlen nicht schlecht aus: Eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Zeitung «El Mundo» ergab erstmals eine Regierungsmehrheit für Rajoys Volkspartei (PP) und den politischen Newcomer Ciudadanos.

Seit der Parlamentswahl im Dezember sind die Versuche zur Regierungsbildung in Madrid festgefahren. Sollte bis zum 2. Mai kein neues Regierungsbündnis zustandekommen, wird das Parlament aufgelöst. Dann dürften die Spanier vermutlich Ende Juni zu Neuwahlen aufgerufen werden.

(L'essentiel/kle)

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