Dubiose Geschäfte – Spioniert die Luxemburger Steuerbehörde?

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Dubiose GeschäfteSpioniert die Luxemburger Steuerbehörde?

LUXEMBURG - Die luxemburgische Steuerverwaltung wird bei einer italienischen Hacker-Firma als Kunde geführt. Ein solches Gebaren wäre illegal.

Mithilfe der Software der italienischen Firma Hacking Team können Kunden Online-Datenverkehr abgreifen.

Mithilfe der Software der italienischen Firma Hacking Team können Kunden Online-Datenverkehr abgreifen.

Was macht die luxemburgische Steuerverwaltung auf einer Liste mit autoritären Staaten wie Aserbaidschan, Äthiopien, Kasachstan, Sudan und Saudi-Arabien? Diese Frage wird sich die Behörde in den kommenden Tagen gefallen lassen müssen. Denn das umstrittene italienische Überwachungssoftware-Unternehmen Hacking Team führt die Steuerverwaltung auf seiner Kundenliste, wie das Luxemburger Wort berichtet. Bekannt wurde dies am Montag, nachdem die Hacker-Firma selbst Opfer eines Hacker-Angriffs geworden war. Unbekannte erbeuteten nach eigenen Angaben rund 400 Gigabyte an Daten, die sie im Internet veröffentlichten.

Hacking Team ist vor allem für das Überwachungsprogramm «Da Vinci» bekannt. Dieses wird nach Angaben des Unternehmens nicht an repressive Regierungen geliefert. Die Organisation «Reporter ohne Grenzen» stellt dies allerdings in Frage. Sie geht davon aus, das mit Hilfe der Programme von Hacking Team auch Dissidenten und unliebsame Journalisten bespitzelt werden und zählt das Unternehmen deshalb zu den «Feinden des Internets». Mit der Software der Firma lässt sich Online-Datenverkehr abgreifen.

Unter den veröffentlichten Informationen sollen Angaben zu Regierungskunden und auch Rechnungen sein. Als Kunden tauchen neben der Luxemburger Steuerverwaltung auch Auftraggeber aus Saudi Arabien, Kasachstan, Libanon, Sudan, Südkorea, Deutschland, Russland, den USA, Kolumbien und Aserbaidschan auf. Laut Wort sei auffällig, dass die Auftraggeber aus den anderen Staaten Geheimdienste oder Polizeibehörden seien. Einzige Ausnahme bilde die Steuerbehörde Luxemburgs. Ein solches Gebaren sei mit dem Gesetz nicht vereinbar, die luxemburgische Regierung habe am Montag noch keine Stellung bezogen.

(pw/dpa/L'essentiel)

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