Hass im Netz: Spur der Drohungen an verstorbene Ärztin (36) führt nach Bayern

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Hass im NetzSpur der Drohungen an verstorbene Ärztin (36) führt nach Bayern

Nach dem Suizid der von Covid-Maßnahmengegnern bedrohten österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr gibt es ein Ermittlungsverfahren gegen eine Person aus Oberbayern.

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Lisa-Maria Kellermayr wurde nur 36 Jahre alt.

Lisa-Maria Kellermayr wurde nur 36 Jahre alt.

Twitter/ Dr. Lisa-Maria Kellermayr
In Wien wurden im Gedenken an die Medizinerin Blumen niedergelegt.

In Wien wurden im Gedenken an die Medizinerin Blumen niedergelegt.

IMAGO/Alex Halada
Nun wird im Zusammenhang mit Morddrohungen in Deutschland ein «Ermittlungsverfahren gegen eine männliche Person aus Oberbayern» eröffnet.

Nun wird im Zusammenhang mit Morddrohungen in Deutschland ein «Ermittlungsverfahren gegen eine männliche Person aus Oberbayern» eröffnet.

IMAGO/Alex Halada

Nach dem Suizid der von Gegnern der Corona-Maßnahmen bedrohten österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr führt eine Spur nach Bayern. «Es gibt ein Ermittlungsverfahren gegen eine männliche Person aus Oberbayern bei uns», bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II am Dienstag entsprechende Informationen der Mediengruppe Bayern.

Die Medizinerin hatte sich stark für Corona-Impfungen engagiert und war nach eigenen Angaben monatelang massiv von Impfgegnern unter Druck gesetzt worden. Am Freitag wurde bekannt, dass sie tot in ihrer Praxis in Oberösterreich gefunden worden war. Der nun im Fokus stehende Mann aus Oberbayern steht der Mediengruppe zufolge im Verdacht, der 36 Jahre alten Medizinerin in Mails mit Folter und Mord gedroht zu haben. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft Wels auch bei der Staatsanwaltschaft Berlin einen Tatverdächtigen angezeigt.

Behörden ignorierten Informationen zu den Tätern

Zuvor hatten österreichische Behörden nicht gegen die Verfasser der Drohungen ermittelt, obwohl eine Hackerin ihnen Informationen zu den Accounts übergeben hatte, wie unter anderem der «Focus» berichtet. Kellermayr selbst hatte die Hackerin kontaktiert, die Opfer von Hate Speech unterstützt.

Innerhalb weniger Stunden habe sie einen Großteil der Drohungen auf eine rechtsextreme Gruppierung zurückführen können. Doch: Die Polizei reagierte nicht auf die angebotenen Informationen. «Die Polizei hat vieles verdreht», so die Hackerin gegenüber «WDR». Über Kellermayr sagte die Hackerin: «Es war schlimm mit anzusehen, wie verzweifelt sie war. Niemand hat sie für voll genommen».

Abschiedsbriefe «verfluchen» die zuständige Polizei

Zuletzt hatte die «Kronen Zeitung» Ausschnitte aus den Abschiedsbriefen veröffentlicht, die in der Praxis gefunden wurden. «Kein Stress, Sie werden mich wohl nicht mehr lebend finden», hieß es darin. Weiter klagt sie, «dass sehr viel geredet wurde, aber keiner etwas getan hat» und schreibt: «Ich verwünsche die Landespolizeidirektion Oberösterreich!»

Gegen die Beamten der Landespolizeidirektion Oberösterreich und der Staatsanwaltschaft Wels ist inzwischen Anklage eingegangen, da diese «auf die Verfolgung des mutmaßlichen Täters verzichteten», wie es in der Anklageschrift heißt.

Joko und Klaas gedenken der verstorbenen Ärztin

Der Suizid der 36-Jährigen vor wenigen Tagen hat die Debatte über Hass im Netz neu angefacht. Am Dienstagabend haben die Entertainer Joko Winterscheidt (43) und Klaas Heufer-Umlauf (38) an die verstorbene österreichische Ärztin erinnert. Die Ärztin sei oft Gast in den Sendungen von Joko und Klaas gewesen, hieß es in dem auch bei Instagram veröffentlichten Beitrag der beiden Entertainer. Während der Corona-Pandemie sei sie engagiert «für die Notwendigkeit der Impfung» eingetreten und somit ins Visier von radikalen Corona-Leugnern und sogenannten Querdenkern geraten.

Kellermayr habe «regelmäßig explizite und detaillierte Morddrohungen» erhalten und der Betrieb ihrer Praxis sei immer wieder gestört worden. Ihr Ruf nach Hilfe sei «bei den zuständigen Behörden auf Unverständnis und Untätigkeit» gestoßen, hieß es weiter in dem Beitrag.

(L'essentiel/dpa/fis)

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