Unter Juncker – Srel nutzte Spionage-Tool für 300.000 Euro zweimal

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Unter JunckerSrel nutzte Spionage-Tool für 300.000 Euro zweimal

LUXEMBURG - Der luxemburgische Geheimdienst hat im Jahr 2012 eine Spionage-Software der am Montag geleakten IT-Firma Hacking Team gekauft. Genutzt wurde sie zweimal.

Die italienische Softwarefirma Hacking Team steht regelmäßig in der Kritik, weil es seine Spitzeltools auch an autoritäre Regime verkauft.

Die italienische Softwarefirma Hacking Team steht regelmäßig in der Kritik, weil es seine Spitzeltools auch an autoritäre Regime verkauft.

Der Luxemburger Geheimdienst war Kunde von Hacking Team. Die umstrittene italienische Softwarefirma hat laut Xavier Bettel (DP) dem Srel im Jahr 2012 eine auf ihn zugeschnittene Spionage-Software im Wert von 300.000 Euro verkauft. Dies erklärte der Premier am Dienstag im Parlament, nachdem am Montag bekannt wurde, dass das Unternehmen selbst Opfer eines Hackerangriffs geworden war.

Bettel betonte, dass der Kauf somit in die Amtszeit seines Vorgängers Jean-Claude Juncker falle. Dabei seien alle Gesetze beachtet worden. Seitdem habe der Srel das Spitzeltool zweimal eingesetzt, auch dies im gesetzlichen Rahmen. Ob es nach wie vor zum Einsatz komme, ließ der Premier offen. In der am Montag geleakten Kundenliste wird Luxemburg zumindest bis zum 31. Mai dieses Jahres als aktiver Kunde geführt, wie das Luxemburger Wort berichtet.

Steuerbehörde kein Kunde

In seiner Rede dementierte Premier Bettel jedoch, dass auch die Luxemburger Steuerverwaltung Kunde von Hacking-Team gewesen sei. Er habe dies noch am Montagabend abgeklärt. In der Behörde wisse man nichts von derlei Geschäften. Überdies sei man auch nicht von dem italienischen Unternehmen über den Hacker-Angriff informiert worden.

Hacking Team steht in der Kritik, weil es seine Spionage-Software auch an autoritäre Regime verkauft. Die Organisation «Reporter ohne Grenzen» geht davon aus, das mit Hilfe der Programme auch Dissidenten und unliebsame Journalisten bespitzelt werden und zählt das Unternehmen deshalb zu den «Feinden des Internets». Mit den Programmen der Firma lässt sich Online-Datenverkehr abgreifen.

(Philip Weber/L'essentiel)

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