Expertengruppe – Staat soll Religionen gleich behandeln
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ExpertengruppeStaat soll Religionen gleich behandeln

LUXEMBURG – Der Staat bevorzugt die katholische Kirche: Zu diesem Ergebnis kommen von Minister Biltgen beauftragte Experten. Sie haben auch Vorschläge zum Religionsunterricht.

95 Prozent aller Finanzmittel, die der Staat für Religionsgemeinschaften ausgibt, gehen an die katholische Kirche. So ist es nicht verwunderlich, dass die Expertengruppe, die zwischen Mai und August die Beziehung zwischen Staat und Religionen untersucht hat, die ungleiche Behandlung der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften kritisiert. Der Bericht wurde am Mittwoch öffentlich vorgestellt. Der zuständige Minister François Biltgen kündigte an, das System reformieren zu wollen.

Die Experten kommen zu dem Ergebnis: «Das luxemburgische System unterscheidet zwischen den anerkannten Religionsgemeinschaften und den anderen, ohne dass Kriterien zur Anerkennung in einer Gesetzgebung erklärt würden.» Daher sei es unklar, aus welchen Gründen und auch nach welcher Prozedur eine Religionsgemeinschaft offiziell vom Staat anerkannt werde. Die muslimische Gemeinschaft ist bis heute nicht anerkannt, obwohl ein entsprechendes Projekt seit 2007 vorliegt und zwei Prozent der Bevölkerung Luxemburgs dem Islam angehören.

Ungleichheit bei den finanziellen Hilfen

Kritik gibt es auch an der Finanzierung, da die katholische Kirche in diesem Jahr mit 33,3 Millionen Euro von staatlicher Seite bedacht wird. Lediglich 1,6 Millionen Euro werden auf vier weitere Glaubensgemeinschaften verteilt (siehe Tabelle), die Muslime erhalten gerade einmal 2 480 Euro. Die Expertengruppe gibt keine Ratschläge dazu, wie genau dieses Problem gelöst werden könnte. Sie schlägt aber immerhin vor, dass die Gemeinden nicht nur die katholische Kirche unterstützen sollten. In diesem Jahr steuern die Kommunen in Luxemburg ein Drittel zur Gesamtsumme an den öffentlichen Hilfen bei – das sind 9,8 Millionen Euro, die alleine an die katholische Kirche gehen.

Eine Reform, die die Anerkennung und Finanzierung neu regelt, sei «wünschenswert», schließt die Expertengruppe. Das könne in zwei Etappen geschehen. Zum einen in einer Registrierung und in einem weiteren Schritt in einer Anerkennung der Glaubensgemeinschaft mit dem Recht, finanzielle Hilfen zu erhalten. Es sollten transparente Kriterien eingeführt werden, aufgrund derer eine Glaubensgemeinschaft anerkannt wird.

Alternativen bei Religionsunterricht

Beim Religionsunterricht legen sich die Experten nicht fest, sondern bieten mehrere Alternativen an. Unter staatlicher Kontrolle könnten die Schüler je nach ihrer eigenen Konfession an Religionsstunden teilnehmen. Möglich sei aber auch ein gemeinsamer Unterricht, in dem der verschiedenen Glaubensrichtungen Rechnung getragen wird oder das Erteilen von Werteunterricht.

Wie geht es nun weiter?

François Biltgen, Minister für Kultusangelegenheiten, will eine Debatte zu dem Thema anregen, sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Parlament. Die Glaubensgemeinschaften haben bis zum 25. November Zeit, eine Stellungnahme zum Bericht abzugeben. Im Dezember und Januar sollen mehrere Workshops organisiert werden, um Vorschläge für die Reform zu sammeln.

(Kerstin Smirr/L’essentiel Online)

Gläubige in Luxemburg

Laut einer Ceps/Instead-Studie gehören 73 Prozent aller Einwohner Luxemburgs einer Glaubensgemeinschaft an. 68,7 Prozent sind katholisch, 1,8 Prozent evangelisch und 1,9 Prozent gehören einer anderen christlichen Religion an. Ein Viertel der Bevölkerung gibt an, keiner Glaubensgemeinschaft zu folgen.

Die Expertengruppe:

Francis Messner (Forschungsleiter CNRS), Jean-François Husson (Generalsekretär des «Centre de Recherche en Action publique, Intégration et Gouvernance»), Caroline Sägesser (Freie Universität Brüssel, Mitglied des «Centre interdisciplinaire d'étude des religions et de la laïcité»). Sekretariat: Eric Ghysselinckx und Jean Zahlen.

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