Erdbeben in Mittelitalien – Stärkstes Beben seit 1980 erschüttert Italien

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Erdbeben in MittelitalienStärkstes Beben seit 1980 erschüttert Italien

Erneut hat ein heftiges Erdbeben Italien erschüttert. Zahlreiche Gebäude sind eingestürzt. «Es ist ein Desaster, ein Desaster», sagt der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde.

epa05609793 A view of Amatrice village completely destroyed after the strong earthquake in central Italy, 30 October 2016. A 6.6 magnitude earthquake struck 6km north of Norcia, Italy, on 30 October 2016. EPA/MASSIMO PERCOSSI +++(c) dpa - Bildfunk+++

epa05609793 A view of Amatrice village completely destroyed after the strong earthquake in central Italy, 30 October 2016. A 6.6 magnitude earthquake struck 6km north of Norcia, Italy, on 30 October 2016. EPA/MASSIMO PERCOSSI +++(c) dpa - Bildfunk+++

DPA/Massimo Percossi

Wieder ist Mittelitalien von einem starken Erdbeben erschüttert worden. Das Beben am Sonntag sei das stärkste seit 1980, sagte der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, am Sonntagmittag. Todesopfer gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht. Mehrere Personen wurden lebend aus Trümmern geborgen. Rund 20 Menschen seien verletzt worden, es schwebe aber niemand in Lebensgefahr. Auf Bildern waren zerstörte Kirchen und Häuser, Schuttberge und tiefe Risse in den Straßen zu sehen. Fernsehbilder zeigten sogar einen tiefen Riss in einem massiven Berg. Kurz nach 13 Uhr wurde die Region durch ein Nachbeben der Stärke 4,6 wieder erschüttert.

«Es war ein sehr starker Erdstoß», sagte der Cesare Spuri vom Zivilschutz in den Marken. Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, sagte der Ansa: «Es ist alles eingestürzt.» In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. «Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.»

Renzi verspricht Hilfe

Das Zentrum des Bebens lag bei dem Städtchen Norcia. «Es ist, als wäre es zu einem Bombenangriff gekommen», berichteten die Behörden. Neun Verletzte wurden in Norcia gemeldet.

Premierminister Matteo Renzi hat den Menschen in der Erdbebenregion sofortige Hilfe zugesagt und sein Mitgefühl ausgesprochen. «Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte», versprach Renzi in Rom.

Stärke von 6,6

Die Erdstöße am Sonntagmorgen hatten eine Stärke von 6,5, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam ermittelten. Das Seismologische Zentrum Europa-Mittelmeer sprach von einer Stärke von 6,6. Das Zentrum lag bei dem Städtchen Norcia, in dem es schwere Zerstörungen gibt. Nur Teile der Basilika San Benedetto aus dem 14. Jahrhundert sowie der Kathedrale Santa Maria Argentea seien stehengeblieben, meldete Ansa. Norcia ist eine bekannte mittelalterliche Stadt.

Das Beben ereignete sich gegen 7.40 Uhr, laut den Experten in etwa 10 Kilometern Tiefe. Bei Betroffenen löste es Panik aus. In der Region Marken liefen Menschen erschreckt auf die Straße, wie Ansa berichtete. Das Beben sei deutlich und lange in der Provinz Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen. Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet waren unterbrochen.

U-Bahn in Rom gestoppt

In Rom wurde vorübergehend die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben um 7.40 Uhr, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr.

Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdstöße die Region erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben heimgesucht worden war. Ein Mann starb, allerdings an den Folgen eines Herzinfarktes. Es gab mehrere Verletzte, Tausende sind obdachlos. Seither hatte es immer wieder leichte und schwere Nachbeben gegeben.

Schäden in Milliardenhöhe

Bei dem schweren Erdbeben Ende August kamen nach offiziellen Angaben 298 Menschen ums Leben, die meisten in dem Ort Amatrice. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro. Das Land wird häufig von Erdstößen heimgesucht, die immer wieder verheerende Folgen haben.

Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der «Adriatische Sporn» - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

(L'essentiel/dpa)

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