Hollywood – Star-Produzent tritt nach massiven Vorwürfen zurück
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HollywoodStar-Produzent tritt nach massiven Vorwürfen zurück

Scott Rudin (62), einer der bedeutendsten Produzenten Hollywoods, ist nach Vorwürfen wegen schwerer Misshandlungen, Belästigungen und weiterer Verfehlungen zurückgetreten.

Mangelnde Selbstkontrolle, Exzentrik, Skrupellosigkeit, Machtmissbrauch, Einschüchterungen sowie gewalttätiges, mitunter sexistisches Verhalten – die Liste der Vorwürfe gegen Star-Produzent Scott Rudin ist lang und geht teilweise über Jahrzehnte zurück. 2010 schrieb der «Hollywood Reporter» erstmals über die Vorwürfe von Mitarbeitenden gegen den Mogul, doch ein neuer Bericht des Blattes vom 7. April brachte das Fass nun zum Überlaufen.

Im Bericht wurden erneut schwere Vorwürfe gegen den Theater- und Filmproduzenten laut, der als erster in Hollywood EGOT-Status erreichte, also einen Emmy, einen Golden Globe, einen Oscar und einen Tony Award gewann. So soll er 2012 einem Assistenten, der es nicht schaffte, Rudin einen Sitz in einem ausgebuchten Flug zu besorgen, einen Apple-Bildschirm auf der Hand zerschmettert haben – der Mann musste in ärztliche Behandlung, der Rest der Crew floh in Panik in eine nahe Bar. «Wir waren alle geschockt, weil wir nicht gedacht hatten, dass so etwas geschehen konnte», so ein damaliger Mitarbeiter.

«Hollywoods größtes A****h»

Eine andere Mitarbeiterin berichtete, wie Rudin einmal einen Laptop gegen einen Kollegen geworfen hatte und ein anderes Mal einen Untergebenen mit einer Glasschale attackierte. «Alle wissen, dass er ein absolutes Monster ist», wird ein Mitarbeiter im Bericht zitiert. «Jeder Tag mit ihm war schrecklich und ließ einem in totaler Erschöpfung zurück», so Ryan Nelson, der von 2018 bis 2019 sein Assistent war.

Rudin soll sich aber auch sexistische und rassistische Entgleisungen geleistet haben und seine Macht über andere gnadenlos missbraucht haben, etwa indem er Leuten, mit denen er aneinandergeraten war, die Karriere versaute.

In Hollywood waren Rudins Ausraster schon länger bekannt. Bereits 2010 wurde er als «der gefürchtetste Mann der Stadt» bezeichnet, die «New York Post» nannte ihn 2014 «den Mann, den man als größtes A*** h Hollywoods kennt». Doch kaum jemand wagte es, offen gegen ihn anzutreten. Und da seine Filme über 150 Oscar-Nominierungen und 23 Trophäen erhielten, war er kaum angreifbar. Erst seit dem Fall Harvey Weinsteins 2017 mehrten sich die Vorwürfe gegen den Mann, der unter anderem «No Country for Old Men» und «The Social Network» produzierte.

Rudin zeigt nun Reue

Nun gab Rudin gegenüber der «Washington Post» an, er werde sich nun aus seinen Broadway-Theaterproduktionen zurückziehen. Zuvor hatte Schauspielerin Karen Olivo via Instagram bekanntgegeben, sie werde nicht ans Set von «Moulin Rouge» zurückkehren, weil «das Schweigen über Rudin inakzeptabel ist».

Rudin gab sich zerknirscht. «Ich habe beschlossen, von meinen aktiven Rollen bei Broadway-Produktionen zurückzutreten. Ich bereue den Schmerz, den ich anderen zugefügt habe, aufrichtig.» Er werde nun «Schritte einleiten, die ich schon vor Jahren hätte tun sollen». Zu laufenden Filmprojekten äußerte sich Rudin nicht. Ob seine Taten ein gerichtliches Nachspiel haben werden ist derzeit unklar.

(L'essentiel/trx)

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