Brasilien – Starben 200 Personen wegen Covid-Therapie?

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BrasilienStarben 200 Personen wegen Covid-Therapie?

Die Behörden untersuchen den Tod von 200 Menschen vor allem im Amazonas-Gebiet. Sie waren im Rahmen einer unbewilligten Studie mit einem Krebsmedikament behandelt worden.

Eine irregulär durchgeführte Studie mit einem nicht zugelassenen Medikament gibt derzeit in Brasilien zu reden. Beim Versuch, Menschen mit Hilfe des Medikaments Proxalutamid gegen Covid-19 zu behandeln, sollen 200 Menschen ums Leben gekommen sein – viele von ihnen Indigene aus dem Amazonas-Gebiet. Laut der mit dem Gesundheitsministerium verbundenen Nationalen Forschungsethikkommission Conep sollen rund 31 Prozent der Probanden, die an der Studie teilnahmen, gestorben sein. Todesursache war laut der brasilianischen Newssite GZH jeweils Nieren- oder Leberversagen.

Todesopfer wussten nicht, dass sie an Studie teilnehmen

Die Klage über den Tod von 200 von 645 Freiwilligen in der klinischen Forschung mit Proxalutamid wurde von Forschern der Unesco als Menschenrechtsverletzung und als «eine der schwersten und schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen» in der Geschichte Lateinamerikas eingestuft.

Das Medikament Proxalutamid wurde ursprünglich zur Behandlung von Prostatatumoren entwickelt und hemmt hormonelle Wirkungen. Dessen experimentelle Anwendung als Behandlung gegen Covid-19 in den Bundesstaaten Amazonas und Rio Grande do Sul wurde von der Clínica de Endocrinologia Flávio Cadegiani in Brasília durchgeführt. Wie der Neffe einer 71-Jährigen aus Amazonas, die während des Tests verstarb, gegenüber «El Pais» berichtet, hätten weder das Opfer noch dessen Angehörige gewusst, dass sie Teil eines Experimentes werden sollte. Der Zustand der mit relativ milden Symptomen an Covid-19 erkrankten Frau habe sich massiv verschlechtert, nachdem sie mit der Behandlung begonnen habe.

«Wir haben den Ärzten vertraut»

Die Behandlung sei in mehreren Krankhäusern durchgeführt worden, teilte die Conep mit. Allerdings sei zuvor das Einverständnis der Patienten zur Verwendung des Medikaments nicht eingeholt und das Personal nicht entsprechend geschult worden. Mit 645 seien außerdem fast doppelt so viele Studienteilnehmende behandelt worden wie gemeldet. Keines der beteiligten Krankenhäuser machte sich offenbar die Mühe, den Medikamentenzyklus mit dem neuartigen Mittel genau zu verfolgen. Laut Conep gibt es «Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Studie sowie auf Verstöße gegen geltende Ethikvorschriften in der Forschung am Menschen.»

«Uns wurde nicht gesagt, um welches Medikament es sich handelt oder dass es sich um eine Studie handelt. Sie haben uns nur ein Papier gegeben, das wir unterschrieben haben, weil wir den Ärzten vertrauen», erklärt ein Angehöriger eines Opfers.

Der für den Versuch verantwortliche Arzt dementiert: 90 Prozent der Todesfälle unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern seien bei Menschen aufgetreten, die nur ein Placebo – ein wirkungsloser Ersatz für den Wirkstoff – erhalten hätten. Das Medikament habe zudem «keine schwerwiegenden Nebenwirkungen» verursacht.

(L'essentiel/trx)

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