Deutschland – Steuerfahnder mit Volltreffer bei der UBS

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DeutschlandSteuerfahnder mit Volltreffer bei der UBS

Ein Mitarbeiter der Schweizer Großbank UBS hat Daten abfotografiert und sie an die deutsche Steuerfahndung verkauft. Die Kundendaten sind brisant.

Runde 750 deutsche Stiftungen betreiben wohl Steuerflucht in die Schweiz.

Runde 750 deutsche Stiftungen betreiben wohl Steuerflucht in die Schweiz.

AFP

Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen ist in den Besitz von internen Informationen der UBS gekommen, die die Steuerdelikte einer Vielzahl von Kunden der Großbank schonungslos aufzeigen. Der von den Deutschen gekaufte Datenträger enthält Angaben zu 750 Stiftungen und 550 Fällen sonstiger Kapitalanlagen mit einem Volumen von rund 2,88 Milliarden Euro. Dies schreiben die «Süddeutsche Zeitung» und der «Tages-Anzeiger» gestützt auf die Staatsanwaltschaft Bochum.

«Aus Sicht der Steuerfahndung ist das hervorragendes Material», sagt ein Anwalt eines betroffenen UBS-Kunden zum «Tages-Anzeiger». «Alles ist aufgelistet, die Strukturen, ein Vergleich vor und nach der Finanzkrise, das Datenstammblatt, Stiftungsurkunden, die Gesamtübersicht über das Vermögen des Kunden und der Name des Kundeberaters.» Die Daten stammen aus dem Jahr 2010.

Nicht kopiert, sondern abfotografiert

Anders als üblich hat der Datendieb hier nicht Daten kopiert, sondern direkt vom Bildschirm abfotografiert. Dies macht es für die Bank schwieriger, den Diebstahl aufzuklären. Die UBS tappt denn auch weiterhin im Dunkeln, was genau die deutschen Behörden alles wissen. Zum «Tages-Anzeiger» sagt ein Sprecher: «Beim Datendieb gilt unverändert: Die interne Untersuchung läuft.» Unter den Kundenberatern geht indes die Angst um, sie könnten ebenfalls ins Visier der Fahnder geraten, wegen Beihilfe.

Aufgrund der neuen Daten haben die deutschen Behörden Dutzende Hausdurchsuchungen in Deutschland veranlasst. Viele der betroffenen Kunden hätten dabei Selbstanzeige erstattet. Zudem hatten die Mitarbeiter der UBS nach dem Scheitern des Steuerdeals mit Deutschland ihren Kunden zu diesem Schritt geraten. Die einzige gute Nachricht für die UBS: Aus den neuen Daten geht anscheinend nicht hervor, dass die Bank Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet hat.

(L’essentiel Online / aeg)

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