Großbritannien – Stolpert Johnson über Omikron und Party-Affäre?
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GroßbritannienStolpert Johnson über Omikron und Party-Affäre?

Die Pandemie wütet immer stärker, gleichzeitig gelangen Bilder von Corona-Partys an die Öffentlichkeit. Das sorgt nun sogar in der Partei des Premierministers für Verstimmungen.

In Großbritannien überschlagen sich die politischen Ereignisse derzeit. Premierminister Boris Johnson steht gleich an mehreren Fronten unter Druck. Gleichzeitig werden derzeit so viele Neuinfizierte verzeichnet wie seit Jahresbeginn nicht mehr. Von der Opposition sorgt dies schon länger für Kritik. Nun stellen sich aber auch immer mehr aus den eigenen Reihen gegen Johnson. Ganze 98 Parlamentsmitglieder stimmten jüngst in der Frage rund um 3G-Nachweise für Nachtclubs und Veranstaltungen gegen ihren Premierminister. Nun könnte es für diesen eng werden. Selbst der üblicherweise sehr regierungsnahe «Telegraph» spekulierte über den «Anfang vom Ende für Boris?».

Druck aus den eigenen Reihen wird immer größer

Die große Frage ist nun, ob Boris Johnson nun bei anderen Vorhaben noch auf die Unterstützung seiner Partei zählen kann – oder ob «der Anfang vom Ende des Boris Johnson» bevorsteht, den bereits manche Zeitungen vor einigen Tagen mutmaßten. Covid-19 ist in Westminster nicht nur als spaltendes Thema präsent – mehrere Abgeordnete, aber auch Hauptstadtjournalisten und -journalistinnen sind in den vergangenen Tagen positiv getestet worden. Omikron schickt sich an, schon in den nächsten Tagen die in London dominante Corona-Variante zu werden.

Der Tory-Abgeordnete Charles Walker, der zu den Rebellen gehört, sagte der BBC nach der Abstimmung, Johnson habe in der Partei noch immer große Unterstützung, sei aber mit den Impfnachweisen einen Schritt zu weit gegangen. Die Rebellion sei ein «Schmerzensschrei» der Konservativen gewesen, die in den Nachweisen eine erhebliche Beschneidung der individuellen Freiheiten und der persönlichen Verantwortung sehen. Auf die Frage, ob die Abweichler künftig weitere Verschärfungen, die wegen der Omikron-Variante nötig werden könnten, blockieren würden, sagte Walker: «Nicht unbedingt. Aber: Die Stimmung hat sich verändert.»

Belege für weitere Party-Nacht in Regierungskreisen aufgetaucht

Die rebellischen Konservativen befürchten nicht nur, dass schärfere Restriktionen die Erholung der britischen Wirtschaft hemmen werden. Vor allem führen sie an, dass die Maßnahmen schwer umzusetzen seien, wenn sich offensichtlich nicht einmal Regierungsbeamte oder Johnson selbst an Regeln halten. Berichte über vermeintlich illegale Weihnachtsfeiern in der Downing Street während des Lockdowns im vergangenen Jahr haben für Empörung gesorgt und der Regierung einen herben Vertrauensverlust beschert.

Der «Mirror» setzte indes seine Enthüllungsserie fort und veröffentlichte ein Foto einer Weihnachtsparty, auf dem mehr als 20 Berater und Mitarbeiterinnen der Tories in den Räumlichkeiten der Partei in Westminster dicht aneinandergedrängt neben einem prall gefüllten Buffet zu sehen sind. Die Feier soll am 14. Dezember 2020 stattgefunden haben und ist damit eine weitere, bislang nicht bekannte Lockdown-Weihnachtsfeier im politischen Machtzirkel. In London waren damals nicht einmal Treffen von zwei Haushalten erlaubt. Der konservative Ex-Kandidat für das Amt des Londoner Bürgermeisters, Shaun Bailey, der auf dem Foto zu sehen ist, trat von seinen öffentlichen Aufgaben zurück.

So heikel, wie die Woche für Boris Johnson begonnen hat, dürfte sie auch weitergehen: Zum Ende der Woche sollen Ergebnisse einer Untersuchung zu den vermeintlichen Weihnachtsfeiern bekannt gegeben werden. Außerdem steht am Donnerstag eine Nachwahl für ein Parlamentsmandat an. Der Abgeordnete Owen Paterson, ein Parteifreund Johnsons, musste wegen seiner Verwicklung in einen Lobbyismusskandal zurücktreten. Nun droht die Konservative Partei den Sitz in der westenglischen Tory-Hochburg North Shropshire an die Liberaldemokraten zu verlieren.

(L'essentiel/DPA/pme)

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