Neue Erkenntnis – Stonehenge stand ursprünglich in Wales

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Neue ErkenntnisStonehenge stand ursprünglich in Wales

Stonehenge ist heute untrennbar mit Südengland verbunden. Doch die mysteriöse Kultstätte stand früher während Jahrhunderten woanders.

Forscher haben die Herkunft einiger der Megalithen, der Bausteine von Stonehenge, geklärt. Wie sie im Fachjournal «Antiquity» schreiben, kommen die Blausteine, die den inneren Ring der Kultstätte bilden, aus zwei Steinbrüchen in Wales. Diese befinden sich bei Carn Goedog und Craig Rhos-y-felin im Süden von Wales.

Während seit den 1920er-Jahren bekannt ist, dass die Blausteine von Stonehenge aus den walisischen Preseli-Bergen stammen, ist es den Experten vom University College London und anderer britischer Hochschulen nun erstmals gelungen, die genauen Herkunftsorte aufzuzeigen. Diese liegen rund 290 Kilometer von Stonehenge entfernt, das sich in der südenglischen Salisbury-Ebene befindet.

Bereits vor Stonehenge genutzt

Eine Altersbestimmung mit der Radiokarbonmethode ergab zudem, dass die Steine wohl bereits ein halbes Jahrtausend vor der Errichtung von Stonehenge herausgebrochen worden waren. Dafür untersuchten die Wissenschaftler Artefakte, die sie bei den Steinbrüchen fanden, darunter Holzkohle aus den Lagerfeuern der Steinbrecher.

Mike Parker Pearson, der Leiter des Projekts sagte in einer Mitteilung: «Wir kamen auf Datierungen von 3400 v. Chr. in Craig Rhos-y-felin und 3200 v. Chr. in Carn Goedog, was faszinierend ist, da die Blausteine in Stonehenge nicht vor 2900 v. Chr. aufgestellt wurden.»

Siedler nahmen Steine mit

Dieses zeitliche Missverhältnis erklären die Forscher damit, dass die Blausteine zuerst Teil eines anderen Monuments in der Nähe der Steinbrüche waren. Dieses sei später abgebrochen und von Siedlern in die Salisbury-Ebene transportiert worden.

Grund für diese Verlagerung könnte eine Migration der Gemeinschaften in Richtung Osten gewesen sein. Die Forscher gehen davon aus, dass die Steine für die Menschen eine so große Bedeutung hatten, dass sie diese mit in den neuen Lebensraum mitnahmen.

Laut Parker Pearson wogen die ursprünglich 80 Steine weniger als zwei Tonnen. Damit wäre es für eine Gruppe von Menschen oder Ochsen möglich gewesen, sie zu transportieren. Er geht davon aus, dass die Blausteine schon lange vor den größeren Druidensteinen in Stonehenge aufgestellt worden waren. Letztere werden auf 2500 v. Chr. datiert.

«Stonehenge war zu Beginn ein walisisches Monument. Wenn wir in Wales das Originalmonument finden, von dem es abstammt, könnten wir endlich das Rätsel lösen, wofür Stonehenge gebaut wurde und wieso einige der Steine von so weit weg hergebracht wurden», so Parker Pearson.

Für die Suche nach diesem ursprünglichen Monument sind 2016 weitere Ausgrabungen in der Gegend der beiden Steinbrüche geplant.

(L'essentiel/jcg)

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