Saarbrücken – Straßenstrich von 547 auf 2,8 Kilometer gekürzt

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SaarbrückenStraßenstrich von 547 auf 2,8 Kilometer gekürzt

SAARBRÜCKEN - Durch Ausweitung des Sperrbezirks will Saarbrücken die Straßenprostitution drastisch einschränken. Freier kommen dort oft aus Frankreich und Luxemburg.

Nach Saarbrücken kommen viele Freier aus dem benachbarten Frankreich sowie aus Luxemburg.

Nach Saarbrücken kommen viele Freier aus dem benachbarten Frankreich sowie aus Luxemburg.

DPA

Statt bisher auf Straßen mit 547 Kilometer Länge soll das horizontale Gewerbe in Saarbrücken künftig nur noch auf drei Straßenabschnitten von 2,8 Kilometer Länge und dann meist auch nur nachts erlaubt sein. «Die Ausnahmen sind auch künftig notwendig, da wir aufgrund der Gesetzeslage nicht das komplette Stadtgebiet zum Sperrbezirk ernennen können», sagte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz am Mittwoch.

Ausgangspunkt für die jetzt ergriffene Verschärfung seien zahlreiche Beschwerden von Bürgern gewesen. Nach Schätzungen von Polizei und sozialen Hilfevereinen bieten derzeit in der saarländischen Landeshauptstadt rund 800 bis 1000 Frauen ihren Körper an, 150 bis 200 davon auf der Straße - oft zum Billigpreis von 20 bis 30 Euro für Geschlechtsverkehr. Viele dieser Prostituierten kommen aus Bulgarien und Rumänien. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass ihre Zahl weiter zugenommen habe, seitdem die Bürger dieser Staaten seit Jahresbeginn frei innerhalb der EU arbeiten dürfen, betonte Britz.

Ab Frühjahr in Kraft?

Die Oberbürgermeisterin setzt darauf, dass die Sperrbezirksverordnung nach Genehmigung durch das Land im Frühjahr in Kraft treten kann. Dann dürfen sich Prostituierte - mit Ausnahme rund um ein soziales Projekt für Drogenabhängige - nur noch zwischen 20.00 und 06.00 Uhr im Winter und zwischen 22.00 und 06.00 Uhr im Sommer an drei Stellen in der Stadt an die Straße stellen. Überwachen soll das die Polizei.

Die saarländische Landesregierung will am kommenden Dienstag weitere Maßnahmen und Bundesinitiativen auch gegen andere Formen der illegalen Prostitution verabschieben. Die Initiativen gehen auf die Vorschläge einer Arbeitsgruppe von Saarbrücken und dem Land zurück. Dabei informierten sich die Mitglieder auch in anderen Städten wie Dortmund oder München über die Situation der Frauen und den Umgang der Polizei und anderer Behörden mit dem Problem. «Ich war in München im Bordell - unter Polizeischutz», sagte Britz.

Erotiksteuer bringt nichts

Pläne, eine Erotiksteuer einzuführen, habe Saarbrücken nach den Erfahrungen anderer Städte «zurückgestellt», erklärte Verwaltungsdezernent Jürgen Wohlfahrt. So sei etwa in Trier und Köln nach der Einführung einer solchen Abgabe nach Angaben der Verantwortlichen die Prostitution nicht erkennbar zurückgegangen.

Britzdringt darauf, dass die Bundesregierung schnell das Prostitutionsgesetz - das freizügigste in der EU - neu fasst. In einem Brief an Bundesjustizminister Heiko Maas und Frauenministerin Manuela Schwesig hatte sie vergangene Woche Schritte auf Bundesebene zur Eindämmung der Prostitution und zum Schutz der Frauen gefordert.

Viele Freier aus den Nachbarländern

Die Oberbürgermeisterin schlug unter anderem die Anhebung des Einstiegsalters für Prostituierte auf 21 Jahre und eine Erlaubnispflicht für Bordelle vor. In Deutschland ist Prostitution erlaubt, während sie in den angrenzenden EU-Ländern verboten oder stark reglementiert ist.

Grenzstädte wie Saarbrücken sind daher besonders betroffen. In die saarländische Landeshauptstadt kommen viele Freier aus dem benachbarten Frankreich, aber auch aus Luxemburg.

(L'essentiel/dpa)

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