«Studentenstreiks wirken, weil sie selten sind»
Publiziert

«Studentenstreiks wirken, weil sie selten sind»

Pol Reuter, Vorsitzender der Studentenvereinigung Unel, erklärt im Interview mit «L’essentiel», worum es bei dem Streik geht.

«Wir wollen zurück zum Grundstipendium in Höhe von 4‘000 Euro»: Pol Reuter, Vorsitzender der Studentenvereinigung Unel.

«Wir wollen zurück zum Grundstipendium in Höhe von 4‘000 Euro»: Pol Reuter, Vorsitzender der Studentenvereinigung Unel.

Editpress

L’essentiel: Was hat die Studenten dazu bewegt, am Freitag zu streiken?

Pol Reuter, Vorsitzender der Studentenvereinigung Unel: Dass bei der Diskussion rund um die Reform der Studienstipendien an den Studenten vorbeientschieden wird. Die Vorgängerregierung hatte angekündigt, dass Einschnitte auf die Studenten zukommen werden, ohne allerdings eine Angabe über die Höhe zu machen. Nun hat uns der neue Bildungsminister, Claude Meisch (DP), die Reform als quasi entschieden vorgelegt.

Was ist falsch an der geplanten Reform?
Wir wollen zurück zum Grundstipendium in Höhe von 4‘000 Euro. Bei der Höhe darunter kann die Selbstständigkeit aller Studenten nicht garantiert werden. Wir beklagen auch, dass der Mobilitätszuschuss an ein Studium im Ausland gekoppelt ist. Ein Student aus dem Norden des Landes, der sich in der Nähe der Luxemburger Uni eine Wohnung nehmen muss, bekommt nichts. Außerdem werden Grenzgänger diskriminiert. Ein Luxemburger, der in Marseille studiert, bekommt Geld, aber nicht das Kind eines französischen Grenzgängers. Außerdem fordern wir, dass die Stipendien, die nach Sozialkriterien vergeben werden, die Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder berücksichtigen.

Haben Sie die Kosten des Modells, das Sie vorschlagen, bereits berechnet?
Ja, die Stipendien, so wie wir sie uns wünschen, würden den Staat jährlich 150 Millionen Euro kosten. Das sind 20 Millionen Euro weniger, als das aktuelle Modell. Die Regierung will aber 70 Millionen Euro einsparen.

Wie viele werden am Streik teilnehmen?
Wir hoffen, dass 10‘000 Schüler und Studenten am Freitag auf die Straße gehen. Diejenigen, die im Ausland studieren und keine Möglichkeit haben, uns anzuschließen, können unsere Aktion auf Facebook unterstützen.

Rechnen Sie damit, dass Sie beim Protest gehört werden?
Ja, die letzte Studentendemo ist fast zehn Jahre her. Die Streiks sind selten und deshalb regen sie zum Nachdenken an und zeigen Wirkung. Das ist nun zum zweiten Mal, dass das Stipendiensystem im Schnellverfahren geändert wird. Dieses Mal brauchen wir ein nachhaltiges Model.

(Séverine Goffin/L'essentiel)

Deine Meinung