Super-Tuesday-Analyse – Super war dieser Dienstag nur für zwei

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Super-Tuesday-AnalyseSuper war dieser Dienstag nur für zwei

Bei Republikanern wie Demokraten setzten sich am großen Vorwahltag die Spitzenreiter durch: Hillary Clinton und Donald Trump.

Der Hintergedanke leuchtet ein: Der sogenannte Super Tuesday wurde vor rund 30 Jahren erfunden, damit sich in den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft möglichst schnell ein Favorit herauskristallisiert. Beiden großen Parteien machten die Erfahrung, dass lange, aufzehrende Kämpfe bis zur Nomination im Sommer die schließlichen Kandidaten schwächte. Hier die wichtigsten Ergebnisse des Wahltags vom 1. März und ihre Bedeutung:

1. Hillary hats im Kasten

Bei den Demokraten hatte der Super Tuesday genau die beabsichtigte Wirkung: Die Ex-Außenministerin Hillary Clinton gewann mindestens sieben der zwölf Ausscheidungen. Senator Bernie Sanders musste sich mit seinem Wohnstaat Vermont, Oklahoma und Colorado begnügen. Es wird dem «demokratischen Sozialisten» Sanders aus numerischen Gründen sehr, sehr schwer fallen, Clintons Vorsprung an Delegiertenstimmen aufzuholen. Doch über Clinton hängt das Damoklesschwert ihres E-Mail-Skandals, der strafrechtliche Konsequenzen haben könnte.

2. Republikaner wohnen in Trumps Amerika

Auch bei den Republikanern klärten die Vorwahlen die Verhältnisse – nur anders, als es die Parteiführung beabsichtigt hatte. Es dominierte kein für sie akzeptabler Anwärter, sondern der Außenseiter Donald Trump. Der New Yorker Baulöwe und TV-Mann siegte in mindestens sechs Gliedstaaten. Das Besondere an Trump ist, dass er bei der Wählerschaft querbeet abräumt: bei Männern und Frauen, Älteren und Jüngeren, Gläubigen und Religionslosen. So ungeliebt er auch ist: Trump spannt ein breites Dach über der Partei.

3. Trumps Rivalen in der Zwickmühle

Hinter Trump wird es zu einem grausamen Verdrängungskampf kommen. Der konservative Senator Ted Cruz gewann Texas und Oklahoma, hat aber landesweit wenig Siegeschancen. Dem jugendlich wirkenden Senator Marco Rubio aus Florida werden gegen Hillary Clinton die besten Aussichten gegeben, doch er gewann nur den einen Gliedstaat Minnesota. Die noch weiter hinten liegenden Anwärter spielen die Rolle von Spielverderbern, weil sie vorerst nicht zulassen, dass sich eine Alterative zu Trump herausbildet.

4. Republikanische Partei vor dem Untergang?

Trump ist bei zu vielen Republikanern zu sehr verhasst, als dass sich die Partei ohne weiteres hinter ihn scharen könnte. Etliche Experten sagen eine Zerreißprobe, ja eine Spaltung der Partei voraus. Trump dachte am Dienstag offenbar an diese Gefahr. An einer Pressekonferenz betonte er, er wolle eine einigende Kraft sein. Für einmal hielt er sich mit Beleidigungen der Rivalen zurück. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Reihen hinter einem nominierten Präsidentschaftskandidaten schließen - doch hinter Trump würden die Republikaner eine andere Partei.

5. Die Endrunde bleibt offen

Weil die Konturen der politischen Landschaft im Herbst noch so unklar sind, ist auch eine Voraussage hinsichtlich des Endsiegs noch nicht möglich. Sofern sie nicht angeklagt wird, ist Hillary Clinton zwar eine bekannte Größe. Doch auf der Seite der Republikaner ist weder voraussehbar, wer der Kandidat sein wird, noch in welcher Verfassung sich die Partei befindet. Das Duell bleibt deshalb offen.

(L'essentiel/Martin Suter)

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