Neue Studienergebnisse – Symptomlose Infizierte sind Pandemietreiber

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Neue StudienergebnisseSymptomlose Infizierte sind Pandemietreiber

Bei Corona gilt: Auch wer meint, kerngesund zu sein, kann hochgradig ansteckend sein. Laut neuer Studie sind vor allem Infizierte ohne Symptome für die Ausbreitung verantwortlich.

«Keine Angst, ich bin kerngesund» – diese Aussage ist in Covid-19-Zeiten nichts wert. Denn ansteckend ist man schon, bevor Symptome auftauchen. Einige Infizierte entwickeln überhaupt keine Krankheitsanzeichen. Für die Betroffenen ist das gut, allerdings wird der Kampf gegen das Virus dadurch deutlich schwieriger. Denn anders als zu Beginn der Pandemie gehofft, haben diese Patienten eine ähnlich hohe Viruslast wie symptomatische, wie eine Studie aus Südkorea im August 2020 zeigte. Allerdings gibt es auch Untersuchungen, die ihnen eine 42 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für die Weitergabe des Erregers attestieren.

Angesichts der uneindeutigen Erkenntnisse empfahl der Berliner Virologe Christian Drosten im Gespräch mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (bezahlpflichtiger Inhalt) sich sicherheitshalber konsequent vorsichtig zu verhalten: «Am besten wäre es, wir täten alle so, als wären wir infiziert und wollten andere vor Ansteckung schützen.» Oder anders ausgedrückt: «Wir tun so, als wäre der andere infiziert und wir wollten uns selbst schützen. Daraus ergibt sich unser Verhalten.»

Neue Studie gibt Drosten recht

Forschende aus den USA belegen nun, wie wichtig Drostens Rat ist. Wie sie im Fachjournal «Jama Open Network» schreiben, gehen fast 60 Prozent aller Ansteckungen von asymptomatischen Corona-Infizierten aus.

Das Team um Jay C. Butler, stellvertretender Direktor der Zentren für Infektionskrankheiten bei der US-Gesundheitsbehörde CDC, arbeitete mit Computermodellen, um verschiedene Szenarien für die jeweiligen infektiösen Zeiträume von vorsymptomatischen, niemals symptomatischen und symptomatischen Menschen zu errechnen. Eine Meta-Studie zuvor hatte ergeben, dass die Inkubationszeit bei Covid-19 am häufigsten bei fünf Tagen liegt. Die größte Infektiosität lag dabei plus/minus zwei Tage um diesen fünften Tag nach der Ansteckung – also zwischen dem dritten und siebten Tag.

Deutliche Zahlen und klare Empfehlungen

Ergebnis: 59 Prozent der Infektionen konnten den asymptomatischen Personen zugeordnet werden, wobei 35 Prozent von sogenannt präsymptomatischen Personen ausgingen und 24 Prozent von Personen, die nie Symptome entwickelten.

Diese Zahlen könnten Auswirkungen auf die Maßnahmen haben, mit denen die Ausbreitung von Sars-CoV-2 bekämpft werden soll, so Butler und seine Kollegen: «Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass die Identifizierung und Isolierung von Personen mit symptomatischem Covid-19 allein die weitere Ausbreitung von Sars-CoV-2 nicht kontrollieren wird.» Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen empfehlen, verstärkt Personen zu testen, die sich nicht krank fühlen.

Luxemburg versucht über das Large-Scale-Testing infizierte Personen aus dem Verkehr zu fischen, die symptomlos sind. Einer Studie zufolge konnte das Land damit die Zahl der positiv getestete Fälle um fast 40 Prozent reduzieren. Ohne den Massentest wäre den Forschenden nach die Belegung der Intensivbetten um rund 45 Prozent höher ausgefallen.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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