Frauenrechte in Afghanistan – Taliban schließen Mädchen von Schulen aus

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Frauenrechte in AfghanistanTaliban schließen Mädchen von Schulen aus

Mit der Aufnahme des Schulbetriebs in Afghanistan hat sich für Schülerinnen von Sekundarschulen und Gymnasien vieles verändert: Sie müssen zu Hause bleiben.

Die Taliban haben Mädchen von afghanischen Sekundarschulen und Gymnasien ausgeschlossen. Am Samstag haben die weiterführenden Schulen lediglich für männliche Schüler ihren Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen. Die Radikalislamisten hatten am Tag zuvor angeordnet, dass nur Jungen und männliche Lehrer in die Klassenzimmer zurückkehren dürfen. Ein Taliban-Sprecher sagte zur «BBC», es gebe Pläne, bald wieder Mädchenschulen zu eröffnen. Doch die Schülerinnen im ganzen Land sind trostlos: «Alles sieht sehr düster aus», sagte eine zum britischen Sender.

Am Samstag forderte die UN-Bildungs- und Kulturorganisation Unesco die Wiederöffnung aller weiterführenden Schulen für Mädchen in Afghanistan. Andernfalls drohten «nicht wieder gutzumachende Folgen» für die Hälfte der Bevölkerung, erklärte die Unesco. Sollten die Mädchen weiter ausgeschlossen werden, bedeute dies für die weibliche Bevölkerung «eine bedeutende Verletzung des Grundrechts auf Bildung», betonte die UN-Bildungsorganisation. «Die Zukunft Afghanistans hängt von der Bildung von Mädchen ebenso wie von Jungen ab», erklärte Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay. Neben männlichen Lehrern müsse auch allen Lehrerinnen die Rückkehr zum Unterricht erlaubt werden.

Kein Frauenministerium mehr

Die in Afghanistan regierenden Taliban haben zudem das Frauenministerium durch ein Ministerium gegen Laster und für Tugend ersetzt. Vor dem Ministeriumsgebäude in Kabul war ein neues Schild mit der Beschreibung der Aufgaben zu sehen.

Während der ersten Taliban-Herrschaft zwischen 1996 und 2001 waren Frauen in Afghanistan weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Sie durften das Haus nur in Begleitung männlicher Angehöriger verlassen. War eine Frau allein unterwegs, drohten ihr Peitschenhiebe. Das «Tugendministerium» war damals etwa für Auspeitschungen von Frauen verantwortlich.

Programm für Stärkung von Frauen gestrichen

Die Leiterin des Netzwerks für afghanische Frauen, Majungea Suradsch, äußerte sich besorgt über die Entwicklungen. «Ist das das Stadium, in dem die Mädchen vergessen werden?», fragte Suradsch. «Ich weiß, dass sie nicht an das Abgeben von Erklärungen glauben, aber Erklärungen sind sehr wichtig.»

Mitarbeiter eines Programms der Weltbank für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen wurden am Samstag von ihrem Arbeitsplatz weg eskortiert, wie Mitarbeiter Scharif Achtar mitteilte. Das Programm wurde im Ministerium für Frauen betrieben.

Die neue Taliban-Führung hatte noch nach der Machtübernahme im letzten Monat angekündigt, die Rechte von Frauen zu achten. Allerdings wurden Frauen seit der Machtübernahme angewiesen, zu ihrer eigenen Sicherheit zu Hause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu kommen, bis eine Geschlechtertrennung umgesetzt werden kann.

(L'essentiel/DPA/AFP/kle)

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