Georges Engel – «Telearbeit wird nach der Pandemie weitergehen»
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Georges Engel«Telearbeit wird nach der Pandemie weitergehen»

LUXEMBURG – Homeoffice, das Recht auf Abschalten, Sport: Im Interview mit «L'essentiel» hat Georges Engel, der neue Minister für Arbeit und Sport, sich zu diversen Themen geäußert.

Der bisher Fraktionsvorsitzende der LSAP Georges Engel trat am 5. Januar sein Amt in der Regierung an.

Der bisher Fraktionsvorsitzende der LSAP Georges Engel trat am 5. Januar sein Amt in der Regierung an.

L'essentiel/JG

L'essentiel: Wie war Ihr Einstieg als Minister?

Georges Engel: Mein Einstieg war sehr intensiv – mit vielen neuen Aspekten – aber auch sehr interessant. Ich habe mir ein Bild davon machen können, was in den kommenden 20 Monaten auf mich zukommen wird! Ich habe mich in beiden Ministerien mit allen meinen Mitarbeitern getroffen, um uns näher kennenzulernen.

Damit setzen Sie Ihren politischen Aufstieg fort...

Mein erstes Ziel war, Bürgermeister von Sassenheim zu werden. Das war das, was ich wirklich wollte. Der Rest kam danach.

Arbeit

Was sind Ihre Hauptprioritäten im Arbeitsministerium?

Es gibt zwei von Dan Kersch eingebrachte Gesetzentwürfe über das Recht auf Abschalten und zum Thema Mobbing, die ich während meiner Amtszeit gerne voranbringen möchte. Daneben gibt es den Gesetzentwurf über den Elternurlaub für Selbstständige, den ich in den kommenden Monaten vorlegen werde. Schließlich möchte ich die Arbeit über digitalen Plattforme gesetzlich regeln, um die Rechte von Arbeitnehmern und Selbstständigen besser festzulegen. Generell möchte ich den Schwerpunkt auf den sozialen Dialog legen.

Wie wichtig ist es, dass Arbeitnehmer auch mal abschalten können?

Das ist in unserer Gesellschaft grundlegend – vor allem bei Telearbeit. Arbeitnehmer müssen unbedingt besser geschützt werden. Ich finde es nicht normal, rund um die Uhr zu arbeiten. Wir leben nicht, um zu arbeiten, sondern wir arbeiten, um zu leben.

Wird sich Telearbeit in der Berufswelt durchsetzen?

Absolut. Ich glaube, dass Telearbeit nach der Pandemie weiter gehen wird. Es muss ein Gleichgewicht gefunden werden. Es gibt rechtliche Fragen, Fragen der sozialen Sicherheit, Risiken, aber auch Vorteile in Bezug auf Umweltverschmutzung, Verkehr und die Work-Life-Balance.

Ist die Begrenzung der Telearbeitstage pro Jahr für Grenzgänger nicht ein Nachteil für Luxemburg im Vergleich zu anderen ausländischen Großstädten?

Ja, unser Arbeitsmarkt ist aufgrund der hohen Anzahl an Grenzgängern recht speziell. Es ist eine große Herausforderung, diejenigen, die im Homeoffice arbeiten wollen, anzuziehen und zu halten. Es gibt mehrere Wege, um über dieses Thema zu verhandeln: entweder über die Anzahl der erlaubten Tage oder über Ausgleichszahlungen. Dies betrifft vor allem das Finanzministerium, da es mit der Besteuerung zusammenhängt.

Ist Weiterbildung weiterhin eine Priorität?

Sie ist einer der wichtigsten Trümpfe, um Menschen im Beruf zu halten oder zurückzugewinnen. Diese Frage lässt sich möglicherweise bis 2023 regeln.

Werden bestimmte Punkte des Koalitionsprogramms aufgrund der Pandemie aufgegeben?

Zu dieser Feststellung bin ich noch nicht gekommen. Aber es stimmt, dass die Pandemie fast zwei Jahre lang Priorität hatte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Projekte aufgrund fehlender Mittel oder Ressourcen nicht durchführbar sein werden.

Sport

Was ist ihre Beziehung zum Sport?

Ich habe 20 Jahre lang Basketball gespielt und war sogar in der Nationalmannschaft aktiv – in unterschiedlichen Altersgruppen. Danach musste ich die Wahl treffen und habe der Musik den Vorzug gegeben. Aber Sport war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich schaue mir oft Fußball-, Rugby-, Handballspiele oder Athletikturniere an. Außerdem versuche ich einmal pro Woche joggen zu gehen oder Fahrrad zu fahren.

Was sind Ihre großen Pläne?

Ich möchte gern einen zivilen Elitenstudiengang für Spitzensportler einführen, ohne dass diese durch die Armee gehen müssen. Das wird sicherlich eine Debatte auslösen, aber ich denke, dass es sich lohnt, dieses Projekt auf den Tisch zu bringen. Es gibt nämlich viele Beispiele für Sportler, die Mitglied der Armee sind und sich zu Hundert Prozent dem Sport widmen – zum Beispiel Christine Majerus. Sie erhalten einen Wehrsold, der vom Rang und der Dienstzeit in der Armee abhängt. Ähnliches – vom Staat bezahlt – wäre auch im zivilen Leben vorstellbar. Ich denke, die Zeit dafür zu haben, dies auf den Weg zu bringen.

Wie weit ist das Velodrom-Projekt in Mondorf fortgeschritten?

Die Gespräche mit der Gemeinde Mondorf sind gut angelaufen. Die Vereinbarung steht kurz vor dem Abschluss. Wir können dieses Jahr vielleicht noch den ersten Spatenstich machen.

Kann man mit einer Lockerung der 2G-Regel im Sportbereich rechnen?

Berufssportler fallen unter die 3G-Regelung, alle anderen unter die 2G-Regelung. Alle Einschränkungen sind dazu gedacht, die Menschen dazu zu bringen, sich impfen zu lassen. Ich hoffe, dass ihre Leidenschaft zum Sport sie dazu bringen wird, diesen Schritt zu gehen. Ich werde jedenfalls nicht für eine Lockerung der Maßnahmen plädieren.

(jg/L'essentiel)

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