Barcelona widerspricht Madrid – «Terrorzelle ist noch nicht total zerschlagen»
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Barcelona widerspricht Madrid«Terrorzelle ist noch nicht total zerschlagen»

Nach dem Anschlag von Barcelona hält die spanische Regierung die Terrorzelle für zerschlagen. Katalonien widerspricht: «Davon kann man nicht sprechen.»

Der spanische Innenminister Ignacio Zoido sagte am Samstag nach einer Sitzung mit Experten, man könne «praktisch sagen», dass die Terrorzelle hinter den Anschlägen in Barcelona und Cambrils «total zerschlagen» sei.

Zoido kündigte an, die Terrorwarnstufe für das Land bleibe unverändert. Es gebe keine Bedrohung durch einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag. Dennoch wurde nach weiteren Verdächtigen gesucht.

Neunköpfige Zelle

Nach vorläufigen Erkenntnissen plante eine Terrorzelle von mindestens neun Extremisten die Angriffe von Barcelona und Cambrils. Der 22 jährige Marokkaner, den die Polizei nach wie vor sucht, soll der mutmaßliche Anführer der Terrorzelle sein und den Lieferwagen in Barcelona gefahren haben, wie spanische Medien berichten.

Der Marokkaner stammt wie mehrere weitere Verdächtige aus Ripoll, einer Kleinstadt rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Dort wurden Wohnungen und das Haus eines Imams durchsucht, wie Nachbarn erklärten.

Katalonien gibt sich vorsichtiger

Die katalanische Polizei und die Regionalregierung legten in Reaktion auf Madrid Wert auf eine eigene Einschätzung: die Terrorzelle sei noch nicht total zerschlagen, hieß es am Samstag in Barcelona.

Er wolle die Aussage der Regierung weder dementieren noch bestätigen, sagte Oliva, der Sprecher der katalanischen Polizei, vor Journalisten. Die katalanische Polizei leite diese Ermittlungen, gemeinsam mit der spanischen Nationalpolizei und der Zivilgarde.

Fahndung noch immer im Gang

Dem pflichtete auch der katalanische Innenminister Joaquim Forn bei. Es werde noch nach zwei oder drei Verdächtigen gefahndet, betonte er. Solange dies der Fall sei, könne man nicht von einer zerschlagenen Zelle sprechen.

Die Fahndungsbilder der Polizei. (undatierte Aufnahme, veröffentlicht am 19. August 2017) Bild: Keystone/AP/Mossos d'Esquadra

(L'essentiel/oli/sda)

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