Releases der Woche – The Prodigy werden dank Schlafentzug kreativ

Publiziert

Releases der WocheThe Prodigy werden dank Schlafentzug kreativ

Das britische Rave-Trio rezykliert sein Erfolgskonzept. The Prodigy klingen auch im Jahr 2018 noch genau gleich wie damals in den Neunzigern.

Gewisse Dinge ändern sich selbst in unserer schnelllebigen Zeit nie: Jugendliche Rebellen greifen auch heute noch zu Doc Martens, zu Weihnachten wird wohl auch in Jahrzehnten noch Fondue serviert – und The Prodigy klingen auch im Jahr 2018 noch genau gleich wie damals in den Neunzigern. Auf ihrem siebten Album «No Tourists» rezyklieren Liam Howlett, Keith Flint und maximal einmal mehr ihren Big-Beat-Rave.

Um die Kreativität anzukurbeln, testete Chef-Produzent Howlett verschiedene Arbeitstechniken. Unter anderem soll er im Studio tagelang nicht geschlafen haben. «Ich drehe bei jedem Album ein bisschen durch», sagt er im Interview mit «Dazed». «Aber so nahe am Wahnsinn wie bei diesem war ich noch nie.» In einer Art Delirium entstanden Songs wie «Need Some1», in dem ein Loleatta-Holloway-Sample mit messerscharfem Synth-Gekreische verschmilzt. In «Light up the Sky» kommen die rabiat verzerrten Gitarren dazu und schon fühlt man sich wieder, als würde man ein Fass Red Bull trinken, auf ein Nagelbrett liegen und alle «Fast & Furious»-Soundtracks gleichzeitig hören. Dazwischen einige leere Worthülsen («We Live Forever!», «Fight Fire with Fire!», «Tick, tick, bang, fuck you!») und voilà: The Prodigy.

Genau genommen braucht kein Mensch ein neues The-Prodigy-Album. Die Band existiert nur noch, um sich bei ihren Shows einen an die Birne zu tanzen. «Deswegen machen wir Musik: Um sie auf Konzerten zu spielen», sagt Howlett, «bis wir nicht merken, dass wir es nicht mehr draufhaben oder die öffentliche Resonanz schwindet, werden wir immer weitermachen.»

(L'essentiel)

Deine Meinung