Gefragte Doktorfische – Tierschützer warnen vor «Findet Dorie»-Effekt

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Gefragte DoktorfischeTierschützer warnen vor «Findet Dorie»-Effekt

Seit vergangener Woche läuft «Findet Dorie» in den Luxemburger Kinos. Tierschützer sehen den Film mit Sorge.

Die Fortsetzung des Animationsklassikers «Findet Nemo» mit dem Titel «Findet Dorie» läuft seit vergangener Woche in Luxemburg. In dem Film spielt Dorie – die blaue Paletten-Doktorfisch-Dame – die Hauptrolle und gewinnt als Waisenfischlein viel an Sympathie. Doch genau diese könnte ihren Artgenossen im realen Leben zum Verhängnis werden.

Deutsche Tierschützer befürchten, dass viele Zuschauer nun so einen blauen Fisch haben wollen. Laut den Experten könnte der «Dorie-Effekt» schlimme Folgen für die Fische haben, wie RTL berichtet.

Nachfrage in den USA bereits gestiegen

Der Dorie-Effekt könnte sich auch anderswo zeigen: «Wir befürchten stark, dass die Nachfrage nach dem Paletten-Doktorfisch aufgrund des Kinofilms ‹Findet Dorie› ansteigen könnte», sagt Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin von «Vier Pfoten». Bereits als «Findet Nemo» erschienen sei, hätten viele Kinder einen Clownfisch gewollt. Doch: «Letztlich landeten viele der Clownfische aufgrund der sehr anspruchsvollen Haltungsanforderungen entweder tot in der Toilette oder in speziellen Fischauffangstationen.»

Zu so einem extremen Hype kann es laut Oeschger kommen, wenn eine bestimmte Tierart Hauptakteur eines Kinokassenschlagers ist. «Dies war nebst ‹Findet Nemo› auch bei den Filmen ‹101 Dalmatiner› und ‹Harry Potter› der Fall. Plötzlich waren Dalmatinerwelpen und Schneeeulen sehr gefragt.» Ihre Vermutung, dass es durch den neuen Film nun zu einem Sturm auf Paletten-Doktorfische kommt, hat sich bisher zumindest in den USA bewahrheitet, wo der Film bereits angelaufen ist.

«Pflege bleibt bei Eltern hängen»

Sowohl die Tierschutzorganisation Vier Pfoten als auch die Organisation Tier im Recht empfehlen Eltern, ihren Kindern den Wunsch nach einem Paletten-Doktorfisch oder anderen Film-Tieren auf keinen Fall zu erfüllen. «Der Wunsch der Kinder zeigt sich oftmals gleich nach dem Sehen des Films und beruht auf einer momentanen Begeisterung», erklärt Andreas Rüttimann, Jurist bei der Organisation Tier im Recht. «Diese flaut in der Regel aber schnell wieder ab.»

Oeschger fügt hinzu: «Da sich Paletten-Doktorfische so gut wie nicht nachzüchten lassen, wird die steigende Nachfrage durch Wildfänge gedeckt werden müssen.» Unter anderem bedeute dies, dass die Fische oftmals in Indonesien und den Philippinen mit Hilfe von Cyanid gefangen werden. «Dabei verenden viele Fische und ganze Riffe gehen zugrunde», sagt Oeschger. Dieses Vorgehen bringe die Population in Bedrängnis und könne bis hin zur Artgefährdung führen.Online könne man Paletten-Doktorfische leider in zahllosen Aquaristikshops bestellen.

Verantwortung übernehmen

Laut Rüttimann ist die Haltung von Fischen eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe: «Laien ist es kaum möglich, Paletten-Doktorfischen eine artgerechte Haltung zu bieten. Falls Eltern ihrem Kind aber doch einen oder mehrere solche Fische kaufen wollen, sollten sie sich zuerst mittels Fachliteratur und bei Fachorganisationen eingehend über die Bedürfnisse der Tiere informieren», sagt er.

Auch Oeschger ist der Meinung, dass Eltern Verantwortung übernehmen müssen: «Sie sollten ihren Kindern erklären, warum ‹Dorie› im weiten Ozean besser aufgehoben ist als in einem Aquarium im Wohnzimmer.»

Warnung vor dem Film

Um die Tiere zu schützen, wollen Tierschützer in den USA Disney dazu zwingen, vor dem Kinofilm eine Warnung einzublenden. Rüttimann: «Ich finde das eine gute Idee, da es eine Möglichkeit ist, die Eltern zu sensibilisieren», sagt Rüttimann.

Laut Oeschger ist ein Appell an die «wahre Tierliebe» und eine damit verbundene Aufforderung denkbar, Wildtiere dort zu lassen, wo sie hingehören. Oeschger: «Nämlich in der Natur.»

Wollte Ihr Kind nach einem Film ebenfalls ein Tier? Nach welchem Film war das, und haben Sie diesen Wunsch erfüllt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. (Bitte senden Sie Ihre Kontaktdaten mit.)

(L'essentiel/qll)

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