Tragödie in Maryland – Tod im Sand – nur noch eine Hand ragte heraus

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Tragödie in MarylandTod im Sand – nur noch eine Hand ragte heraus

Eine 30-jährige Frau wurde in Maryland im Sand begraben aufgefunden. Behörden warnen: Buddeln am Strand ist gefährlicher, als man denkt.

Ashley O'Connor genoss ihre Ferien am Atlantikstrand von Ocean City im US-Gliedstaat Maryland. Die 30-jährige Texanerin aus Plano verbrachte den Sonntag vor einer Woche mit ihren Eltern, bevor sie sich spät in der Nacht um 2 Uhr von ihnen trennte. Am nächsten Morgen fand man ihren toten Körper im Sand begraben.

Laut der örtlichen Polizei ist O'Connor erstickt, wiedie Zeitung «USA Today» schreibt. Die Frau lag in einem Loch, das wahrscheinlich Strandbesucher im Verlauf des Tages gegraben hatten.

Wie geriet sie in das Loch?

Ein Spaziergänger entdeckte das Opfer am frühen Morgen. Nach Angaben der Polizei ragte nur noch eine Hand aus dem lockeren Sand. Die Ermittler wissen nicht, ob Ashley in die Grube stürzte oder absichtlich in sie hineinstieg.

Die Behörden stufen O'Connors Tod als Unfall ein. Die Umstände in dunkler Nacht am Strand würden sich aber auch gut für einen perfekten Mord eignen. Gruben im Sand sind tückisch und viel gefährlicher, als man denkt, fand die Zeitung im Gespräch mit Experten heraus.

Unterschätzte Einsturzgefahr

Meist werde die Stabilität von Sandgruben überschätzt, sagt Stephen Van Ryswick vom Geologischen Amt von Maryland. Schwer berechenbar sei, wann ihre Wände zusammenstürzten, sagt er. Während ein Erdloch praktisch senkrechte Wände ertrage, erlaube der sogenannte Schüttwinkel von trockenem Sand bloß eine Neigung von 30 Grad.

Steilere Wände aus feuchtem Sand seien zwar stabil, weiß der Experte. Doch wenn der Sand austrockne, könnten sie bei der kleinsten Erschütterung plötzlich zusammenbrechen. Genau dies, vermutet die Polizei, widerfuhr Ashley O'Connor.

Ertrinken im Trockenen

Wenn Sand in die Atemwege gerät, droht unmittelbare Lebensgefahr. Dr. Brian Delligatti von einem regionalen Medizinzentrum vergleicht Ersticken im Sand mit dem Inhalieren von Wasser. «Es ist wirklich sehr ähnlich», sagt er zu «USA Today». «Es ist wie Ertrinken im Sand.» Blockiere Sand das Atmen, könne in weniger als zehn Minuten der Tod eintreten, warnt der Arzt.

Als zusätzliches Risiko kommt hinzu, dass Sand schwer ist. Laut der US-Naturschutzbehörde wiegt ein Liter Sand mit einem Gewicht zwischen 1,6 und 1,8 Kilogramm fast zweimal so viel wie Wasser. Und anders als eine Flüssigkeit fließt Sand nicht weg. Schon wenige Kubikdezimeter Sand drücken mit großem Gewicht auf den Brustkorb. «Mechanisch gesehen, sind die Muskeln der Brustwand womöglich nicht fähig, den Druck zu überwinden und den Patienten atmen zu lassen», sagt Dr. Delligatti.

Immer wieder Todesfälle

Weil es sich beim Buddeln am Strand um eine Freizeitbeschäftigung handle, dächten die meisten Menschen nicht an die damit verbundenen Gefahren, sagt Bradley Maron von der Harvard-Universität. Ein von ihm verfasster Bericht von 2007 zählte Todesfälle durch zusammenbrechende Sandgruben. In einem Zeitraum von zehn Jahren fand der Arzt in zwölf untersuchten Gliedstaaten 52 Fälle von einstürzenden Sandgruben, die zu 31 Todesfällen führten.

Dieses Jahr starben schon vor O'Connor mehrere Menschen im Sand. Laut Newsberichten erstickte im Juli ein 12-jähriger Kalifornier, als er von einem einstürzenden Tunnel in einer Düne begraben wurde. Im Juni wurde in Indiana ein Teenager schwer verletzt: Er sprang in eine selbst gegrabene, zwei Meter tiefe Grube, und die Wände brachen über ihm zusammen.

Warnungen und Regeln

Angesichts dieser Risiken warnen die Behörden davor, Sandgruben zu unterschätzen. In Ocean City begrenzen Vorschriften der Strandwache die Tiefe von Grabungen im Sand auf die Höhe der Knies der kleinsten Strandbesucher, also Kinder. Grundsätzlich gilt: Wer ein Loch gräbt, muss es wieder zuschütten:

Auch USA Today gibt Tipps gegen Gefahren von Strandgruben:

(L'essentiel/sut)

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