Nach Vulkanausbruch – Tonga fürchtet sich nun vor einem «Corona-Tsunami»
Publiziert

Nach VulkanausbruchTonga fürchtet sich nun vor einem «Corona-Tsunami»

Noch immer ist das Ausmaß der Schäden in Tonga, die durch den Ausbruch des Vulkans entstanden, unklar. Nun droht dem pazifischen Inselstaat eine weitere Gefahr durch Hilfscrews.

1 / 8
Der Tsunami, der auf den Vulkanausbruch folgte, hat auf den Inseln Spuren hinterlassen.

Der Tsunami, der auf den Vulkanausbruch folgte, hat auf den Inseln Spuren hinterlassen.

Reuters
Einwohner der Hauptstadt Nuku’alofa räumen Schutt und Asche weg.

Einwohner der Hauptstadt Nuku’alofa räumen Schutt und Asche weg.

Reuters
Dieses Bild, das aus einem neuseeländischen Armeeflugzeug aufgenommen wurde, zeigt die mit Asche bedeckte Insel Nomuka.

Dieses Bild, das aus einem neuseeländischen Armeeflugzeug aufgenommen wurde, zeigt die mit Asche bedeckte Insel Nomuka.

Reuters

In dem von einem Vulkanausbruch und einem Tsunami heimgesuchten Pazifikstaat Tonga werden schwere Schäden sichtbar. Die Inseln Nomuka, Mango und Fonoifua seien verwüstet, teilte das Rote Kreuz am Mittwoch mit. Nach 15 Meter hohen Tsunamiwellen seien kaum noch Häuser stehen geblieben.

Der unter der Meeresoberfläche liegende Vulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai war am Freitag ausgebrochen. Satellitenbilder zeigten, wie sich Asche, Dampf und Gas zu einer Riesenwolke zusammenballten, die fünf Kilometer breit und 20 Kilometer hoch war. Der Lärm der Eruption war noch in Alaska zu hören. Der Vulkan liegt etwa 64 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuku’alofa und löste eine Tsunamiwelle aus, die auf der Hauptinsel 80 Zentimeter hoch war und Tausende Kilometer über das Meer raste. In Peru ertranken dadurch zwei Menschen.

Die Schäden in Tonga waren immer noch schwer einzuschätzen, weil die Naturkatastrophe unterseeische Glasfaserkabel zerstört hat. Bis diese repariert sind, dürften vier Wochen vergehen. Deshalb war nur eine eingeschränkte Kommunikation möglich. Inzwischen habe ein Schiff Nomuka, Mango und Fonoifua erreicht, sagte die Delegationsleiterin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, Katie Greenwood, in Fidschi der Nachrichtenagentur AP. Es habe sehr bedauerliche Informationen übermittelt. «Die meisten Bauten und Wohnungen auf diesen Inseln sind völlig zerstört», sagte Greenwood.

Trinkwasser wird knapp

Der Vulkan hat die Hauptinsel von Tonga mit einer zwei Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt. Die Hauptinsel Tongatapu glich einer Mondlandschaft. Der Internationale Flughafen von Fua’amotu konnte nicht benutzt werden. Freiwillige räumten Asche von der Start- und Landebahn und hofften, bis Donnerstag fertig zu sein. Die neuseeländische Außenministerin Nanaia Mahuta nahm an, dass es dort außer Asche keine Schäden gibt. Bis Dienstag hatte die Regierung drei Tote bestätigt – zwei Einheimische und eine Britin. Allerdings wurde befürchtet, dass weitere Tote gemeldet werden, wenn abgelegene Gebiete wieder zugänglich sind.

Die Asche hat auch Regenwasser verschmutzt, das die Menschen zum Trinken sammeln. Trinkwasser sei neben Unterkünften derzeit das drängendste Problem, sagte Greenwood. Neuseeland hat die Marineschiffe Aotearoa und Wellington geschickt, von denen eines 250’000 Liter Wasser und eine Anlage an Bord hatte, die täglich 70’000 Liter Wasser entsalzen kann. Das Schiff könne frühestens Freitag eintreffen, sagte Verteidigungsminister Peeni Henare. Unsicher sei aber, in welchem Zustand die Hafenanlagen sind. Auch Australien bereitete Hilfslieferungen mit Schiffen und Flugzeugen vor.

Sorge vor Ausbreitung von Corona

Unklar war noch, welche internationalen Hilfen Tonga überhaupt in Anspruch nehmen will. In dem Land hat es bislang erst einen einzigen Corona-Fall gegeben – und die Regierung will verhindern, dass das Virus bei Hilfsaktionen eingeschleppt wird. Bisher galt für Einreisende eine dreiwöchige Quarantänefrist. Greenwood sagte, Tonga hoffe auf «fast kontaktlose Katastrophenhilfe». Das sei kompliziert, aber verständlich. «Sie wollen wirklich nicht eine Katastrophe gegen die andere tauschen», sagte Greenwood. Gegenüber dem Radiosender ABC sagte der Vizebotschafter von Tonga in Australien, Curtis Tu'ihalangingie, es gebe Bedenken vor einem möglichen «Corona-Tsunami», weil Helfer aus dem Ausland das Virus einschleppen könnten. Sophie Ford, Hilfskoordinatorin des australischen Roten Kreuzes, sagte gegenüber dem «Guardian», man «sei sehr darauf bedacht, mit der Hilfe nicht noch mehr Probleme ins Land zu bringen».

Von den 106’000 Einwohnerinnen und Einwohnern Tongas sind nach Angaben von «Our World Data» etwa 61 Prozent vollständig geimpft.

(L'essentiel/AP/trx)

Deine Meinung